Drinnen laufen schon seit 40 Minuten die Vorgespräche zur großen Koalitionsrunde. Doch Horst Seehofer lässt es sich nicht nehmen, den prominenten Nachzügler persönlich zu empfangen. Geduldig wartet er im kalten Novemberwetter vor der Bayerischen Landesvertretung, bis Sigmar Gabriel ein ebenso fernsehwirksames wie kurzes Gespräch mit den Demonstranten auf der gegenüberliegenden Straßenseite beendet hat. Äußerst freundlich fällt dann die Begrüßung aus. „Der Mann hat Sinn für Humor“, scherzt der SPD-Vorsitzende, weil Seehofer den Genossen den Besprechungsraum mit einer Franz-Josef-Strauß-Büste zugeteilt hat. Wie lange es denn noch dauere, bis sich beide Parteichefs duzen, will ein Journalist wissen. Da lächelt Seehofer, als sei die Sache auf einem guten Weg.

Die Szene dokumentiert zum einen, welche Rolle die CSU bei den Koalitionsverhandlungen spielt. Eigentlich war vereinbart, dass die 75-köpfige Mammutrunde immer abwechselnd die Parteizentralen von Union und SPD heimsucht. Das wären nach landläufigem Verständnis das Konrad-Adenauer- und das Willy-Brandt-Haus. Doch die CSU sieht sich als eigenständige Partei, deren Selbstbewusstsein man ungefähr an den top-modischen Anzügen von Generalsekretär Alexander Dobrindt ablesen kann. Also bittet Parteichef Seehofer präsidial in die Berliner Landesbotschaft. Drinnen kredenzt er selbstverständlich Mineralwasser aus dem unterfränkischen Bad Brückenau und Fruchtsäfte aus Würzburg.

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