Köhler statt Gauck: Ein Stellvertreter für Afrika

Knapp sechs Jahre war Horst Köhler Bundespräsident. Und als er am 31. Mai 2010 aus nicht mehr so ganz heiterem Himmel seinen Hut nahm, da schüttelten nicht wenige den Kopf. Nur in einem waren sich alle Beobachter einig: Die Sache mit Afrika habe der 70-Jährige immer gut gemacht. Er hatte den Kontinent in seiner Zeit als geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds kennen und lieben gelernt.

Mitte September nun war Köhler wieder da. Er nahm im westafrikanischen Mali an der Amtseinführung des neuen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita teil. Doch nicht nur das. Köhler flog mit einem Regierungs-Airbus nach Bamako und wohnte der Zeremonie „stellvertretend für Bundespräsident Joachim Gauck“ bei – gemeinsam mit anderen Staatschefs. Das sorgt für Aufsehen. Wegen Köhler. Und wegen Gauck.

Es handele sich um einen normalen Vorgang, beteuern sie im Bundespräsidialamt. Die Einladung aus Mali ging bei der Bundesregierung ein. Kanzlerin Angela Merkel konnte nicht, Gauck auch nicht. Da fragten Merkels Leute in Schloss Bellevue nach, ob sie etwas dagegen hätten, wenn Köhler fliege. Hatten sie nicht. Warum auch?

Dummerweise erschien in diesen Tagen aber ein umstrittenes Buch, in dem von Ermüdungserscheinungen des amtierenden Staatsoberhauptes die Rede ist. So fürchten sie im Schloss die Assoziation, Gauck sei mittlerweile schon so müde, dass er nicht mal mehr nach Mali reisen wolle. Genau das sei Quatsch, verlautet aus Gaucks Umfeld. Köhler sei zudem nicht der erste, der eine solche Vertretung wahrnehme. Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) habe derlei auch schon gemacht.

Köhler jedenfalls ist keineswegs vom Erdboden verschwunden – und hat seinen eigenen Kopf. So engagiert er sich unverändert auf dem Feld der Entwicklungspolitik. Und vor vier Wochen besuchte er in der Berliner Volksbühne als Privatperson die Gedenkveranstaltung für den verstorbenen ehemaligen Linksparteichef Lothar Bisky, während die anderen Parteien keine Repräsentanten entsandten. Dass wegen seiner Mali-Reise überhaupt Aufhebens gemacht wird, dürfte den ernsthaften Ökonomen in seinem Verdruss über manche Verstiegenheiten des Politikbetriebs bestätigen. Dabei hatten sie in Berlin doch bloß den besten Mann geschickt, den sie für Afrika finden konnten. Einen würdigen Vertreter.