KÖNIGS WUSTERHAUSEN. Ein Fax brachte die schlechte Nachricht nach Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Rainer Suckow, dem Vorsitzenden des Fördervereins "Sender Königs Wusterhausen", wurde in dem Schreiben mitgeteilt, dass die Telekom den Mietvertrag mit dem Förderverein nicht verlängern werde. Aus wirtschaftlichen Gründen. "Es hat mich eiskalt erwischt", sagte Suckow. Damit steht das Sende- und Funktechnikmuseum am Funkerberg in Königs Wusterhausen vor dem Aus. Der Mietvertrag läuft am 31. Juli 2005 aus. Vom Funkerberg wurde 1920 erstmals ein Live-Konzert im Radio - ein Weihnachtskonzert der Reichspost - ausgestrahlt. Seitdem gilt der Ort als "Wiege des Rundfunks in Deutschland".Auftrag zur Vermarktung"Wir können uns nicht mehr alles leisten", sagte Telekom-Sprecher Hans Ehnert am Mittwoch. Das Museum auf dem Funkerberg trage sich nicht. "Bei unseren Gesprächen haben alle Beteiligten stets erläutert, wie wichtig dieses Museum in Königs Wusterhausen ist. Aber als es um die Kosten ging, da blieb alles wieder an der Telekom hängen", sagte Ehnert. Das Unternehmen sei schon an der Geschichte interessiert. Es unterstütze schließlich eine Stiftung Post und Telekommunikation. "In diese Stiftung zahlt die Telekom jährlich sieben Millionen Euro ein", sagte der Unternehmenssprecher. "Damit werden Museen in Berlin oder Frankfurt am Main unterstützt. Mehr geht wirklich nicht." Ehnert sagte, die Telekom habe Sireo den Auftrag zur Vermarktung des Funkerberg-Geländes erteilt. Sireo gehört zur Immobiliengesellschaft der Deutschen Telekom und soll laut Unternehmenssprecher nicht betriebsnotwendige Gebäude veräußern.Mehr als 5 000 Besucher sahen im vorigen Jahr die Ausstellung auf dem Funkerberg. "Das Besondere ist, dass wir ein Sendermuseum sind", sagt Fördervereinschef Suckow. Zudem habe im Sendehaus 1 wirklich alles angefangen, was mit Rundfunk in Deutschland zu tun habe. Gezeigt werde die komplette Geschichte des Rundfunks. Alte Sender beispielsweise aus den 30er-Jahren seien für Technikfreaks ebenso ein Anziehungspunkt wie der 1 000-PS-Dieselmotor aus dem Jahr 1937, der früher als Notstromaggregat diente. Nur selten wird der Motor noch angeworfen. Er ist mit seinen acht Zylindern der einzige noch funktionsfähige Dieselmotor dieser Größe in Deutschland.Suckow glaubt, dass die Ausstellung auf dem geschichtsträchtigen Funkerberg nur durch das Engagement der Stadt zu retten ist. Für den heutigen Donnerstag hat er um einen Termin bei Königs Wusterhausens Bürgermeister Stefan Ludwig (PDS) gebeten. Wie das Stadtoberhaupt am Mittwoch der Berliner Zeitung sagte, bemühe sich eine im Mai 2003 gegründete Stiftung auch mit Hilfe der Stadt, Objekte der Telekom auf dem Funkerberg zu erwerben. "Das sollte so schnell wie möglich über die Bühne gehen", sagte Ludwig. Damit habe man den Funkerberg für die Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.Brief an Telekom-VorstandDoch es fehle noch Geld und man habe auch keinerlei Kontakt mit der Telekom bekommen können. "Es herrscht völlige Funkstille", sagte der Bürgermeister. Wenn in absehbarer Zeit nichts geschehe, wolle er sich schriftlich an den Telekom-Vorstand wenden. Er fände es schade, wenn die Ausstellung von diesem historischen Standort weichen müsste, sagte Ludwig.------------------------------Erstes Live-Konzert aus dem Äther // Wiege: Vor mehr als 84 Jahren wurde vom heutigen Funkerberg erstmals ein Konzert live gesendet. Seitdem gilt Königs Wusterhausen als Wiege des Rundfunks in Deutschland.Öffnungszeiten: Die Ausstellung auf dem Funkerberg ist dienstags und donnerstags von 9 bis 15.30 Uhr und am Wochenende von 13 bis 17 Uhr geöffnet.Preise: Eintritt kostet drei Euro/erm. 1,50 Euro. Führungen kosten ein Euro Aufschlag.Weitere Infos unter www.funkerberg.de------------------------------Foto: Geordnetes Chaos: Dieser 250-Kw-Mittelwellensender aus dem Funkwerk Köpenick war bis zur Wende in Betrieb.