Immer wenn Jörg Haider in seiner Partei aufräumt, tritt seine "Buberlpartie" auf den Plan. Das ist ein Kreis von blind ergebenen jungen Leuten, die ohne zu fackeln die Beschlüsse ihres Herrn exekutieren. An die Öffentlichkeit treten sie in wechselnden Funktionen, immer nach Bedarf.Lange Zeit galt Gernot Rumpold als der brutalste unter Haiders Rausschmeißern. Als der Chef in Kärnten die Landtagsabgeordnete Kriemhild Trattnig loswerden wollte, verkleidete sich der bullige Rumpold auf einem Parteifest als Frau Trattnig und machte die alte Dame nach es war eine gesellschaftliche Hinrichtung, von der man sich in der FPÖ noch heute erzählt.Wadenbeißer vom Dienst ist zurzeit Peter Westenthaler, ein breitschultriger junger Mann und kein Freund vieler Worte. Wenn er erscheint, wissen Haider-Kritiker, dass politisch ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Die Buberln tragen martialische Spitznamen. Ewald Stadler zum Beispiel, zeitweise Fraktionschef, ist der "Dobermann".Merkwürdigerweise zählt zur "Buberlpartie" auch eine Frau: Susanne Riess-Passer und immerhin hat sie es zum Spitznamen "Königskobra" gebracht. "Lieber Königskobra als lieb und nett", sagt sie. Riess-Passer, die Haider jetzt als Vizekanzlerin ausgesucht hat, ist die Gescheiteste und Erfolgreichste im Kreis der Buberln. Ihren Spitznamen hat sie sich mit spektakulären Einsätzen verdient etwa als sie(Fortsetzung Seite 2)Riess-Passer, Fortsetzung von S. 1 ---in einem einzigen Handstreich über 700 Parteifunktionäre im Land Salzburg absetzte.Riess-Passer gehört zum engsten Kreis um Haider, seit der 1986 gegen die liberale Parteiführung unter Norbert Steger putschte. Politisch sozialisiert wurde sie Anfang der achtziger Jahre während ihres Studiums in Innsbruck, wo sie sich dem "Ring freiheitlicher Studenten" anschloss, einem traditionsreichen Verein, aus dem Österreichs bekannteste Rechtsextremisten hervorgegangen sind und der auch für Haider bald zur wichtigsten Kaderschmiede werden sollte.Geboren am 3. Januar 1961 in Braunau am Inn, ging die junge Frau 1979 zum Jura-Studium nach Innsbruck; sie absolvierte es trotz ihres politischen Engagements in Rekordzeit und promovierte mit nur 23 Jahren. In Innsbruck, wo sie noch heute lebt, lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, den früheren "freiheitlichen" Vizebürgermeister Michael Passer, dessen Karriere nach Turbulenzen in seiner Steuerberatungskanzlei und einem Unfall unter Alkohol jäh endete.Verbindlich im Ton, hart und präzise in der Sache, stand der jungen Juristin eine glänzende Karriere bevor. Ihr erstes Engagement fand sie in der Pressearbeit für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 1986. Dann holte Haider sie zunächst als Pressemitarbeiterin nach Wien, wo sie sich als ebenso professionell erwies wie in allen späteren und früheren Funktionen. Seit 1991 vertrat sie ihre Partei im einflusslosen Bundesrat, den sie als Übungsfeld nutzte; in dem verschlafenen Gremium fiel sie damit auf, dass sie sich stets genau vorbereitete, scharf argumentierte und, wenn es sich so ergab, die Kunst der persönlichen Verletzung trainierte.Bierzelt-Rhetorik liegt ihr fern, Ausrutscher oder gar emotionale Ausbrüche sind nicht bekannt; wenn sie im Parlament, wie sie es gern tut, von "Flüchtlingsströmen" spricht, die nach Österreich drängen, bleibt alles im Rahmen konservativer Meinungen. Aus ihren Reden spricht vielmehr ein schlichtes Weltbild: etwas ist falsch oder richtig, rechtens oder nicht. "Europäische Integration", formulierte sie einmal, "hat zum Nutzen der Österreicher zu erfolgen und nicht zu deren Nachteil. " Doch das meiste Profil gewann sie als Haiders schärfste Waffe im innerparteilichen Machtkampf. Als vor fünf Jahren der Innsbrucker Stadtpolitiker Rudi Federspiel seine Leute im Gemeinderat instruierte, Weisungen aus Wien zu ignorieren, trieb sie ihn in einer Strafaktion aus der Partei. Sie war es auch, die 1998 den Kärntner FPÖ-Chef Karl-Heinz Grasser zum Widerruf seiner Haider-Kritik zwang. Jetzt sitzen beide am Kabinettstisch. Grasser ist Finanzminister. Und er weiß inzwischen, wie weit er gehen darf.