Manche Redewendung, die es nur auf dem Lande gibt, passte eigentlich ganz gut in unseren täglichen Sprachgebrauch. Die von Opa Stanke gehört dazu. Mit einem Kissen unter Ellenbogen schaute er aufmerksam auf das Geschehen in seinem Dorf. Und wenn jemand kam und fragte: „Na, Heinz. Was gibt’s denn Neues?“, dann antwortete er lächelnd und wahrheitsgemäß: „Das Alte ist noch nicht alle.“

Das ist die Grundregel jeder Soap oder Sitcom. Das Alte wird nie alle, das Neue kommt nur dazu. Und wenn man den Dramen des Lebens ernsthaft folgen will, braucht es vor allem eines: Humor, sonst wäre es nicht zu ertragen.

Nehmen wir das Thema des Umgangs mit Rassismus und Rechtsextremismus. Als in den 1990er-Jahren Jagd auf Menschen gemacht wurde, die damals noch Ausländer hießen, machten viele Bürgermeister die Opfer selbst dafür verantwortlich. „Was gehen die auch abends raus?“ hieß es. Und den Jugendlichen, die von Nazis verprügelt wurden, weil sie keine Nazis sein wollten, riet man allen Ernstes, sich doch einfach anzupassen.

Nazis ignorieren?

Damals meinten selbst hochrangige Politiker, dass es besser sei, die Nazis zu ignorieren statt sich ihnen in den Weg zu stellen. Denn wer das tue, mache sie erst zu Nazis. Wenn Kameraden durch die Innenstädte marschieren, solle man sie besser laufen lassen.

Gegendemos bringen Presse, dadurch verliere die Stadt ihre Reputation. Touristen bleiben aus, Arbeitsplätze gehen verloren. Und aus Arbeitslosigkeit gehe der Rechtsextremismus erst hervor. Deutsche Menschen werden nun mal so, sobald sie arbeitslos werden. Also, wer ist schuld am Erstarken der Nazis? Richtig, diejenigen, die sie zum Thema machen.

Heute liegen die Dinge anders. Freilich halten an manchen Orten die Stadtobersten noch am Alten fest und verteidigen ihre Nazis und Rassisten als ganz normale, unbescholtene Bürger, die man nicht ärgern darf indem sie „in eine Ecke gestellt werden, in die sie nicht gehören“.

Heute differenziert man. Israelhasser sind Kritiker des Imperialismus und keine Antisemiten, die Polizei ist niemals rassistisch, sondern geht nur Verdachtsmomenten nach, und in der Jugendarbeit darf ein Nazi mit kleinen Jungs boxen, denn seine politische Meinung spielt hier gar keine Rolle. Und eine einzige der vielen Brücken, die ins Nichts führen, kostet weit mehr als der deutsche Staat für Demokratieinitiativen auszugeben bereit ist.

Würde jemand eine TV Soap aus den Ereignissen um die Morde des NSU machen, könnte der Zuschauer viele Krokodilstränen sehen, die über die Opfer der Nazis vergossen werden. Die Familien der Toten würden dabei als Filmkulisse missbraucht, denn das „Zusammenleben verschiedenster Nationalitäten“ scheitert bereits an der Sprache, vom Alltag der Einwanderer ganz zu schweigen.

Parallel dazu wäre eine Sitcom über die Polizei und den Verfassungsschutz mit ihren bizarren Strukturen und Beamten angesagt. Allen voran der ehemalige Präsident des VS in Thüringen, der barfuß per Fahrrad durch seine Behörde radelte, um mehr Geld für Nazis aufzutreiben, die sich als V-Leute tarnen konnten. Das war schon sehr komisch. Und heute? Haben manche Angst, dass ihnen Flüchtlinge, die mit dem Leben davongekommen sind, die Gartenzwerge vom Balkon klauen. Opa Stanke hat Recht: „Das Alte ist noch nicht alle!“