Die Weisheit habe ich nicht mit Löffeln gefressen. Ich habe sie mir in vielen Jahren mühsam erworben. Mein Wissen hat jetzt die angenehme Reife der Altersweisheit, die, gepaart mit der nötigen Gelassenheit, die jungen Schlaumeier auf die Palme jagt. Mir egal. Ich jedenfalls und der aktive Teil meiner Generation lassen uns so schnell nicht mehr aus der Ruhe bringen. Wir vergreisen vergnügt gemeinsam.

Zweimal die Woche ins Sportstudio. Lahme Gelenke oder Rückenschmerzen? Die Jungen gehen doch auch schon gebückt und jammern vor sich hin. Wir aber trotzen Wind und Wetter und hecheln durch den Grunewald und weiter. Wie am vergangenen Wochenende, mit Freunden und Fahrrad an der Havel entlang bis raus nach Potsdam. Gut, der leckerste aller Käsekuchen im Holländischen Viertel war kein Argument gegen diese Plackerei. Belohnung muss sein. Mir fehlen noch ein paar Jährchen, sonst hätte ich locker den Senior-Guide geben können bei der Ausstellung „Dialog mit der Zeit“ im Museum für Kommunikation in Berlin. Wenn jemand davon was versteht, dann die munteren Greise. Mehr als 30 Senioren haben sich dort als Guide ausbilden lassen. Über 70-Jährige wollen zeigen, dass Alter ein Gewinn ist, eine Lebensphase mit neuen Fähigkeiten und Interessen.

Mittlerweile ist das lustige Seniorenleben fast schon eine Massenbewegung. Die Menschen gehen immer später ins Pflegeheim. Und die großen Angstkeulen vor dem Alter, Demenz und Alzheimer, ziehen sich zurück. Ja! Erstaunt stellen Forscher fest, dass die Gehirnkrankheiten später und seltener auftreten. Unsere grauen Zellen reagieren wie ein Muskel, werden sie gebraucht, bleiben sie aktiv. Deshalb raten Wissenschaftler zu neuen Formen des Übergangs ins Rentenalter.

Wer zu früh rastet, der rostet schneller. Firmen dämmert es, reichlich spät, aber immerhin, dass hier ein enormes Wissenspotenzial liegt. Ungenutzt. In dieser Woche sind die neuesten Ergebnisse der Berliner Altersstudien veröffentlicht worden: Die heute 75-Jährigen sind geistig und körperlich erheblich fitter als die gleiche Altersgruppe vor 20 Jahren. Gesündere Ernährung, Verzicht auf Zigaretten und die sehr viel bessere Einstellung des Blutdrucks, alles wichtige Faktoren. Hochdruck in den Adern schwächt nicht nur Herz und Gefäße, er verursacht vor allem Mikroblutungen und Gefäßverschlüsse, die irgendwann zu schlimmen Gehirnschäden führen.

Die Hundertjährigen-Studie der Universität Heidelberg hat jüngst gezeigt, dass sich die Zahl der Superalten in Deutschland binnen zwölf Jahren auf 17 000 fast verdreifacht hat. Klar: Bäume reißen die keine mehr aus, aber die meisten Oldies sehen ihr Leben ausgesprochen positiv. Wer es bis dahin geschafft hat, dem kann keiner mehr. Diese Einstellung zählt oft mehr als nur die Gesundheit. Dank Computer und Smartphone lässt sich der Kontakt zu Enkeln oder Jugendfreunden heute via Skype oder SMS auch vom Rollstuhl aus herstellen. Prima und regt auch die Zellen an. Immer mehr Senioren erkunden mit heller Freude die unendlichen Weiten des Internets. Und wenn da mal was klemmt, und das tut es oft, dann haben wir die jungen netten Schlaumeier. So einer hat gerade meinen nagelneuen Macken-PC wieder zur Räson gebracht. Und neue Tricks verraten. Ich bin gewappnet. Bange machen gilt nicht, auch vorm Alter nicht.