Fast täglich behauptet die neue Athener Links-Rechts-Regierung, Deutschland schulde Griechenland 476 Millionen Reichsmark (RM) aus einer „Zwangsanleihe“, die dem besetzten Griechenland Ende 1942 auferlegt worden sei. Bei niedriger Verzinsung entspreche der Betrag heute rund elf Milliarden Euro. Die Umrechnung erscheint mir plausibel, doch bezweifle ich die genannte Schuld. Anders Hagen Fleischer, ein deutsch-griechischer Historiker, der die Legende von der „Zwangsanleihe“ seit Jahren hegt und pflegt. Fleischer stützt sich auf nur eine Quelle, nämlich den 251 Blatt starken Schlussbericht, den deutsche Finanz- und Wirtschaftsbeamte am 12. April 1945 fertigstellten, nachdem sie im Herbst 1944 von britischen Truppen aus Griechenland vertrieben worden waren. Im Abschnitt Besatzungskosten (Blatt 114) schätzten sie, die deutsche Restschuld gegenüber Griechenland auf „476 Mio. RM“. Die griechische Kollaborationsregierung hatte diesen Betrag nicht als Zwangsanleihe angesehen, sondern als Guthaben, das später mit griechischen Schulden verrechnet werden sollte.

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