Am Samstag gehörte einer meiner Enkel zu denen, die unter dem Motto „Schule ist cool“ in eine im Kreuzberger Osten gelegene Grundschule aufgenommen wurden. Das Gebäude stammt aus spätwilhelminischer Zeit und markiert den in Deutschland so zögerlich, dann aber ruckartig erwachten staatlichen Bildungswillen. Darin, aber nur darin, ähnelt es jener Anstalt in der Heidelberger Weststadt, in die ich vor gut 60 Jahren als ehedem so bezeichneter ABC-Schütze in die Klasse A1 einzurücken hatte.

Sie bestand aus Knaben, die Mädchen gingen in den anderen, strikt getrennten Flügel. Den Pausenhof teilte eine hohe Ziegelmauer. Eingezwängt in starre Bankreihen hockten wir da; die Klassenlehrerin, Fräulein Becker, thronte auf ihrem Podest. Einer von uns war der Dicke, einen hatte die Kinderlähmung erwischt, die wenigen Katholiken mussten sich während des Fachs Religion verdünnisieren und galten als Fremdkörper. Jenseits solcher Unterschiede guckten wir für das Klassenfoto alle wohlgescheitelt, verschüchtert, aber sehr germanisch in die Kamera.

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