Kolumne: Nicht jammern, sondern mithelfen!

Haben Sie in der letzten Zeit schon einmal mit sich selbst oder Ihrem Nachbarn über die Zukunft der Welt diskutiert? Das ist meist wenig ergiebig. Weil eine gefühlte Mehrheit inzwischen felsenfest davon überzeugt ist, dass die Welt sowieso zum Teufel geht. Sieht man doch. Immer mehr Armut. Immer mehr Kriege. Immer mehr Flüchtlinge.

Ich möchte diese Haltung narzisstisch pessimistisch nennen. Warum narzisstisch? Man kann über alles jammern – und ist immer fein raus. Narzisstisch ist diese Art von Pessimismus, weil sie sich von jeder Empathie verabschiedet. Alles, was schiefgeht, kann man so auf das Konto „Hab ich immer schon gewusst!“ verbuchen. In jedem Internet-Dumpfbacken-Kommentar kann man diesen selbstgerechten Mechanismus besichtigen: Ich wusste es sowieso schon – deshalb sind alle anderen Idioten, Deppen, Versager.

Böse Institutionen

In aufsteigender Deppen-Reihenfolge sind immer „die da oben“ schuld: „die Politik in Berlin“, die „Euro-Bürokraten“ und als Krönung „die Typen von UN und Weltbank“. Was aber, wenn diese bösen Institutionen doch eine wichtige Funktion haben – vor allem für die Zukunft?

2015 ist ein Schlüsseljahr. Im Dezember wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein neues Klimaabkommen geschlossen. In den USA bewegt sich eine Menge in Sachen Energiewende, ebenso in China, nur hört man davon hierzulande nichts. Die UN-Millennium-Ziele aus dem Jahr 2000 werden erneuert. Die Bilanz lässt sich durchaus sehen: Die bittere, existenzielle Armut hat sich in 15 Jahren mehr als halbiert. Die Kindersterblichkeit ging zurück, dadurch sinken die Geburtenraten. Die Müttersterblichkeit sank um 45 Prozent.

Verblüffende Erfolge

Mehr medizinische Infrastruktur hat den Tod von Millionen Menschen durch Malaria und Tuberkulose verhindert. Auch bei der Bildung vor allem von Mädchen und Frauen sind enorme Fortschritte gemacht worden. Die Analphabetenrate des Planeten liegt nur noch bei 20 Prozent, die globale Lebenserwartung bei erstaunlichen 70 Jahren! Verblüffend auch der Erfolg bei der Wasserversorgung: 91 Prozent der Menschheit haben heute Zugang zu Frischwasser, ein Viertel mehr als 2000.

Wenn man die einzelnen Erfolge etwas genauer analysiert, dann wird klar, dass es immer vernetzte Kooperationen sind, die die Dinge voranbringen. Wasserversorgung funktioniert nur, wenn die lokale Zivilgesellschaft mitmacht (die größten Erfolge gibt es, wenn Frauen die Verantwortung übernehmen). Fortschritt geht nie allein von oben. Diese Lehre hat die UN inzwischen verinnerlicht und entsprechend die Programme umgebaut.

Millenium-Projekt 2030

Natürlich kann man auch hier wieder meckern: Es reicht noch nicht! Diese Zahl ist geschönt, jene stimmt nicht! Aber die Millennium-Ziele für 2030 sind noch ambitionierter. Man möchte die bittere Armut voll und ganz abschaffen. Das wird nicht gelingen, denn es gibt immer wieder Rückfälle, Despotien, Situationen, in denen Kooperation durch Misstrauen, Gewalt und erlernte Hilflosigkeit einfach nicht vorankommt. Aber man stelle sich nur einmal vor, das neue Millennium-Projekt 2030 mit seinen 12 Zielen würde zum Projekt von uns allen. Statt zu jammern und zu schimpfen, würden wir mitbangen, mitjubeln, mithelfen, wo immer es geht. Wie beim Fußball, der ja bekanntlich unglaubliche Energien freisetzen kann.