Mittlerweile habe ich mir die ungeschnittenen Interviews angehört, die das Fernsehmagazin Panorama vor 14 Tagen mit Pegida-Demonstranten in Dresden geführt hatte. Wie also begründen diese Protestler ihre Empörung? Durchgängig tun sie so, als lebten sie im Armenhaus der Republik, würden von „den Politikern“ missachtet und von „der Lügenpresse“ getäuscht. Dabei zählt ihre Stadt zu den größten Wendegewinnerinnen. Das gelang mit viel fremdem – gewissermaßen zugewandertem – Geld und dank des bürgerlichen Selbstbewusstseins, das sich in Dresden über alle Zerstörungen hinweg so wunderbar erhalten hat. Ob auf dem Weißen Hirsch, am Hauptbahnhof, in der Neustadt, in der Universitätsbibliothek oder im Weichbild der Frauenkirche – die Stadt blüht, sie entwickelt eine angenehme Balance zwischen Tradition und Modernität.

Um die Verkehrsströme besser zu lenken, verzichteten die Dresdner mit absichtsvollem Trotz auf den Unesco-Titel Weltkulturerbe und bauten ihre Waldschlösschenbrücke. Kaum verschuldet, wird die Stadt sehr ordentlich regiert, ebenso das Bundesland Sachsen. Menschen, die als Ausländer auffallen könnten, leben dort kaum. Pegida-Dresdner protestieren gegen Zustände, die sie aus dem Fernsehen, von Reisen oder vom Hörensagen zu kennen glauben, und befürchten, Fremdlinge könnten ihnen eines Tages die Butter vom Brot nehmen.

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