Die Mitglieder der Terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund erschossen mindestens zehn Menschen – und das aus politischer Überzeugung. Darin glichen sie den Mördern von Walther Rathenau (1922), Siegfried Buback (1977) und Jitzchak Rabin (1995) oder von Karl Anlauf und Franz Lenk, jenen Berliner Polizisten, die die Kommunisten Erich Mielke und Erich Ziemer am 9. August 1931 meuchlings niederstreckten.

Die Grundmotive solcher weltanschaulich motivierten Gewaltakte waren und sind stets die gleichen: Die Täter beabsichtigen, die bestehende Ordnung zu zerrütten, um eine aus ihrer Sicht bessere politische Verfassung zu erzwingen. Terrorismus betrachten sie als legitimes Mittel zum revolutionären Zweck.

Kurzer Sieg, früher Tod

Vor bald 200 Jahren schufen radikale Angehörige der deutschen Burschenschaften die Vorlage für solche politischen Mordtaten. Sie nannten sich „Die Unbedingten“ und waren nationalrevolutionäre Demokraten. Zu ihnen zählte der Jenaer Student Karl Ludwig Sand. Am 23. März 1819 erstach er in Mannheim den als Reaktionär verhassten Diplomaten und Schriftsteller August von Kotzebue mit den Worten: „Hier, du Verräter des Vaterlandes!“ Viele Burschenschaftler nahmen den Mord „mit unverhohlener Freude auf“, wie Treitschke dokumentiert, sie berieten über weitere Gewaltakte und scheiterten an der Metternich’schen Staatsmacht.

Nach einem Prozess wurde Sand im Mai 1820 enthauptet. Sechs Monate vor der Tat hatte er einem Gesinnungsgenossen jene Sätze ins Stammbuch geschrieben, die bis heute jeder Selbstmordattentäter für sich beansprucht: „Unser Tod ist Heldenlauf, kurzer Sieg, früher Tod! Tut nichts, wenn wir nur wirkliche Helden sind.“

Teutonische Gesinnungseiferei

Den führenden Demokraten Ernst Moritz Arndt und Joseph Görres erschien „die Tat Sands als etwas Großes“, wie sie dem höchst befremdeten Ludwig Börne im September 1819 erklärten. Ein Jahr später sah dieser bei dem gleichfalls fortschrittlichen Verleger Johann Friedrich Cotta ein Ölbild hängen, das Sand mit gezücktem Dolch als heldischen Märtyrer zeigte. Hingegen verurteilte Börne den Mord als „freche“ Dummheit und als „demokratische Ausschweifung“. Ihm war die „Schwärmerei des Täters“ zuwider: „Sands Tat ist abscheulich; Sands Zweck ist ganz unvernünftig.“

Börne hoffte auf einen friedlichen Weg vom ständischen ins bürgerlich-republikanische Zeitalter. Stärker als er ahnte Heinrich Heine, was aus teutonischer Gesinnungseiferei entstehen könne. Deswegen verbot es sich für ihn, die Deutschen zur Revolution aufzustacheln. Wer das tue, streue eine Saat aus, „die früh oder spät die furchtbarsten Früchte hervorbringt“. In Deutschland würde dann „ein Stück aufgeführt“ werden, „wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte“.

In der Hauptverhandlung gegen Beate Zschäpe geht es um spezifische Verbrechen und deren vor allem türkischstämmige Opfer. Im Hintergrund wird jedoch auch generell über politischen Terror verhandelt, wie er unter verschiedenen Vorzeichen vielerorts gedeiht. Als 2007 der von der heimischen Staatsgewalt jahrelang drangsalierte türkisch-armenische Journalist Hrant Dink als angeblicher Volksfeind in Istanbul auf offener Straße ermordet wurde, rief der Täter: „Ich habe den Ungläubigen erschossen!“