Ich verfasse gerne freundliche Kolumnen aus und über Israel. Nun meinen Sie, werte Leserin Cordula K., es sei „zynisch“, wenn ich schreibe, Araber lebten derzeit „in Israel sicherer als irgendwo sonst im Nahen Osten“. Zum Beweis nennen Sie den Gaza-Krieg von 2014. Sie übersehen: Ich sprach von Sicherheit, Lebensqualität und Bildungschancen der 1,4 Millionen Araber in Israel. Sie wollen die Toten des „Gaza-Krieges und anderer Übergriffe Israels“ nicht gegen die Toten in Syrien, Jemen und Irak „aufgerechnet wissen“. Darüber ist zu reden.

Was meinen Sie mit „Übergriffen Israels“? Was würden Sie fordern, wenn in Richtung Ihres Häuschens in Berlin-Kaulsdorf Dutzende Raketen vom nahen Rüdersdorf aus abgefeuert würden? Was würden Sie vom Staat erwarten, wenn in Ihrem Garten plötzlich ein Killerkommando aus einem Tunnel gekrochen käme? Die Hamas-Leute graben wieder.

Die Hisbollah im Südlibanon ist in der Lage, tausend Raketen täglich auf den israelischen Norden abzufeuern, und das für längere Zeit. Stellen Sie sich vor, verehrte Frau K., in Polen, direkt hinterm Oderdeich, säßen hisbollah-ähnliche Gruppen und würden bei passender Gelegenheit das „altslawische“ Kaulsdorf überrennen. Würden Sie diese Leute Terroristen oder Freiheitskämpfer nennen?

Stellen Sie sich vor, Ihr Kaulsdorf läge nicht im großen Deutschland, umgeben von Verbündeten, sondern in einem Staat, halb so groß wie einst die DDR, von Nachbarländern umzingelt, in denen Zehntausende dort wohlgelittene Menschen wohnen, die Freudenfeste feiern, sobald es irgendjemandem irgendwo gelingt, mehrere Ihrer Landsleute hinterrücks zu töten.

Sie wollen die Toten „nicht gegeneinander aufrechnen“. Aber Sie wissen doch, dass die Hamas in dem von ihr angezettelten Gaza-Krieg Schulen, Wohngebiete, selbst Krankenhäuser und UN-Stützpunkte als Deckung für Raketenstellungen benutzt hat. Handelt es sich hier allein um „israelische Übergriffe“?

Auch sollten wir über Zahlen sprechen. Seit dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 sind bis heute knapp 120 000 Menschen während der Kriege, der palästinensischen Aufstände und bei Terroranschlägen ums Leben gekommen. Angesichts der beispiellosen, nur sehr schwer lösbaren und für beide Seiten existenziellen Grundsituation sprechen 120 000 Tote in 68 Jahren für ein pragmatisches und besonnenes kriegerisches Verhalten der Beteiligten. Der grundlos geführte Bosnienkrieg forderte 97 000 Opfer binnen vier Jahren. In Syrien wurden in den vergangenen vier Jahren knapp 200 000 Menschen Opfer sinnentleerter Metzeleien. Werte Frau K., rechnen Sie bitte aus, was unsere Wehrmachtsverwandtschaft an nur einem Tag verbrochen hat!

Am Samstag war ich mit vier anderen Europäern zum Abendessen eingeladen. Plötzlich knallte es mehrfach im Tal. Wir Gäste assoziierten einen runden Geburtstag. Die Gastgeberin erstarrte und flüsterte: „Hoffentlich!“ Angesichts ihrer schwierigen Lage verhalten sich Israelis generell sehr offen, gelassen und umsichtig, während wir Deutsche nur mit allergrößter Mühe mit fünf Flüchtlingen pro tausend Einwohner zurechtkommen. Wir haben keinen Grund, uns als politisch-moralische Gouvernante Israels aufzuspielen.