Kolumne über rechte Hooligans: Lieber Herr Thadeusz....

Cool bleiben. Nicht gleich wieder ausrasten. Das gilt vor allem für die Medienkollegen. Die sogenannten Dokumentationen sehe ich schon vor mir. Über Deutschlands härteste Fußballnazis. Wir lernen zwei Wichtigtuer aus der völkischen Schlägergemeinschaft kennen. Groß im Bild: ihre hässlichen Tätowierungen und ihre widerlichen Grimassen. Dann, gleich nach der Werbung: Warum Deutschlands härteste Fußballnazis endlich mal einen tothauen wollen. Gosse und Gewalt. Die große Fußballwelt, die plötzlich nur noch eine ungewaschene Achselhöhle ist, wenn wir erst einmal die Rassisten in Fan-Kutte kennengelernt haben. Viele Fernsehmacher finden so was sexy. Wer glaubt, das sei übertrieben, der möge sich an die Beiträge über Motorradrocker erinnern. Sendeminute um Sendeminute bekamen einige degenerierte Backpfeifengesichter in Lederklamotten geschenkt, um über ihren bizarren Ehrenkodex Auskunft zu geben.

Die Reportage einer 31-jährigen Edelfeder, die sich ganz tief in den jungen Dortmunder Rechtsradikalen Torben X. einfühlt, möchte ich auch nicht lesen. Während die Reporterin den nächsten Journalistenpreis fest im Blick hat, schreibt sie uns auf, warum der Torben nicht anders konnte. Papa abgehauen, Mama säuft, Arbeitslosigkeit in einer grauen Stadt. Also muss der Torben zwangsläufig im Stadion irgendwas mit „Kanaken“ brüllen.

Ich stamme aus einer Gegend in Dortmund, wo nachmittags niemand von Mutti zum Hockey gefahren wird. Was nicht bedeutet, dass dort jeder gewalttätig wird. Wer Nazi sein möchte, hat sich dazu ganz persönlich entschieden. Jeder einzelne, der über 18 Jahre alt ist und in ein Stadion geht, um dort wen auch immer zu diskriminieren, Feuer anzustecken oder andere Menschen zu misshandeln, will das so. So lange wir nicht manche Personen allein deswegen präventiv entmündigen, weil sie auf unangenehme Weise einen an der Waffel haben, ist jeder für seine Taten verantwortlich. Deswegen bitte nicht noch mehr Prominenz für diese Individuen. Sondern kein Verständnis, keine Toleranz, nur harte Strafe.

Aber vor allem sind wir gefragt. Wir Fußballfreunde. Wir sind eine so massive Mehrheit gegen diese randalierende Minderheit. Einige Dortmunder Freunde haben schon vor Monaten in einem offenen Brief zum Ausdruck gebracht, wie sehr sie unter anderem Gesänge von der „Straßenbahn nach Auschwitz“ anwidern. Wer nicht weiß, wie er sich gegen das Pack bewähren könnte, sollte sich an diejenigen erinnern, die den Rechtsextremismus schon seit langem bekämpfen. Beispielsweise die Frauen und Männer, die für „Gesicht zeigen. Aktion weltoffenes Deutschland“ arbeiten. Ein vor allem ewig unterfinanziertes Unterfangen. Denn Rechtsradikalismus finden viele ganz schlimm. Aber nicht schlimm genug, um dagegen Geld zu geben. So mancher Torben wird aber nach einer „Gesicht zeigen“-Veranstaltung an seiner Schule erstmals geahnt haben, dass der rechte Arm nicht nur zum deutschen Gruß taugt. Zu den Gesängen für meinen Club gehört die Textzeile, dass der Verein unser ganzer Stolz ist. Was wäre es für ein Zeichen, wenn einmal eine ganze Kurve, oder die legendäre „Wand“, etwas ganz Ähnliches für einen Verein wie „Gesicht zeigen“ singen würde.