Im Mai 1938 berichtete der US-amerikanische Generalkonsul in Köln, Alfred W. Klieforth, die einfachen Deutschen stünden geschlossen hinter Hitler, weil er für Essen, Arbeit und nationales Selbstbewusstsein sorge. Sie würden 58 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten, und das mit Freude. Die Eifrigen dürften an Kreuzschifffahrten teilnehmen, „und offensichtlich sehnt sich ein Deutscher nach nichts mehr, als nach einer solchen Reise“. Daraus schloss der Diplomat: „Die Arbeiterschaft derart zu bestechen, ist eine der wirksamsten Waffen der Nazis.“ Genau darauf beruhte die nationalsozialistische Wohlfühldiktatur.

Die NS-Regierung hatte die Massenarbeitslosigkeit beseitigt, 1934 die Normalverdiener mit der noch heute gültigen Steuerklasse für Familien begünstigt. Langsam erhöhte sie die in der Weltwirtschaftskrise stark verminderten Renten, führte 1938 die Krankenversicherung für Rentner ein, die im Krankheitsfall bis dahin von ihren Familien und der Wohlfahrt abhängig gewesen waren.

Hat Hitler diese Nörgler ins KZ gesteckt?

Hitler hat diese Reform bewerkstelligt, nicht Bismarck oder die SPD. Unter Hitlers Herrschaft wurde des Deutschen Lieblingswort Urlaub, der Rechtsanspruch auf bezahlte Ferien, zum Begriff. 1939/40 beschäftigte sich Robert Ley, Chef der Deutschen Arbeitsfront, öffentlichkeitswirksam mit der Einführung der dynamisierten, an die Entwicklung der Löhne gekoppelten Renten – versprochen für die Zeit nach dem Endsieg. Volksverbunden verdoppelte Hitler die Körperschaftsteuer für Unternehmen von 20 (1933) auf 40 Prozent (1939). Das freute die kleinen Leute enorm und schadete den Rüstungsbaronen wenig.

Im Krieg ging es so weiter. Im Oktober 1940 bekamen die Deutschen das noch heute höchst beliebte Geschenk der steuer-und sozialabgabenfreien Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit als Lohn für den Sieg über Frankreich. Als der Angriff gegen die Sowjetunion im Herbst 1941 zum Erliegen kam, meckerten die Alten: „Zweifrontenkrieg, Hunger, Niederlage. So wird es kommen!“ Hat Hitler diese Nörgler ins KZ gesteckt? Nein. Er erhöhte die Renten mit einem Schlag um 15 Prozent! Und das, ohne die aktiv Werktätigen zu belasten.

Frauen verfügten erstmals über viel Geld

Die Kosten trugen die Zwangsarbeiter, für sie hatten die Unternehmen doppelte Sozialabgaben abzuführen. Während der Ehemann in Vollpension bei der Wehrmacht diente und dort die doppelte Löhnung eines britischen oder US-amerikanischen Soldaten erhielt, bekamen die Ehefrauen 90 Prozent des seines letzten Nettolohnes als Einsatzfamilienunterhalt. Erstmals in der deutschen Geschichte verfügten Frauen frei, vom kneipenseligen Ehemann unabhängig über viel Geld.

Diese sozialen Wohltaten machten die Deutschen opportunistisch und stumm. Bezahlt wurden sie anfangs mittels horrender, geheim gehaltener Staatsschulden. Die ersten Wechsel für die Finanzierung des Aufschwungs waren 1938/39 fällig. Das Dritte Reich stand ständig vor der Staatspleite. Nur ein beispielloser Raubkrieg konnte es vor dem sofortigen Zusammenbruch retten. Bezahlen sollten die unterworfenen Völker, die enteigneten Juden Europas, die Sklavenarbeiter. Schuldenmacherei förderte die Aggression und das Böse. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch! Wehret den Anfängen!