An jenem Tag, als Putin vom Roten Platz in Moskau zur Flottenparade auf die frisch eroberte Krim eilte, fragte der deutsche Fernsehsender n-tv seine Zuschauer: Haben Sie Verständnis für Putins Politik? Am Anfang antworteten 85 Prozent mit Ja. Kurz nach der Liveübertragung des Militärspektakels war die Zustimmung um vier Punkte gestiegen.

Was passiert da gerade in der deutschen Öffentlichkeit? Wer sich in den Medien über Fantasiezahlen des Referendums für die ostukrainischen Separatisten erregt, sollte einmal den Blick aufs eigene Publikum werfen. Offenbar gelingt es nicht mehr zu vermitteln, dass Putins Russland in einem neoimperialistischen Taumel alle Konstanten einer Politik des friedlichen Miteinanders aufgibt, um mit einer Propagandaschlacht Europa zu spalten. Selbst der vorsichtig urteilende ehemalige Regierungsberater Gleb Pawlowski stellt fest, die Moskauer Führung sei „von der europäischen Rhetorik abgekommen“. In „einer Epoche eines schweren Traumas“ herrsche heute in Moskau ein „regelrechter patriotischer McCarthyismus. Ständig wird überprüft, ob Du nicht in Wirklichkeit ein Feind bist.“

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