Kolumne zu Männern und Frauen: Die besseren Single

Der Mensch, heißt es, ist ein soziales Wesen. Er neigt zwar dazu, seine Mitmenschen zu übervorteilen, zu überfallen, auszubeuten und totzuschlagen – was zweifellos sehr bedauerlich ist. Aber vielleicht sind das ja nur Ausrutscher, Abweichungen sozusagen von seiner wahren Natur. Denn im Grunde sehnt sich der Mensch aus der Tiefe seines Herzens heraus nach dem Nächsten. Nach dem Einen an seiner Seite und nach den Vielen in der Gruppe. Nicht umsonst rottet er sich gern bei McDonald's und im Media Markt zusammen.

Ein Mensch ohne Mitmensch ist eine arme Sau. Weil einsam. Und wenn er dann noch ein Mann ist – wirklich Pech! Single-Männer erwartet ein trauriges Schicksal: Sie sterben viele Jahre früher als ihre Artgenossen in festen Beziehungen. Und auch wesentlich eher als allein stehende Frauen. Das haben just Wissenschaftler in Dänemark herausgefunden, doch es lässt sich wohl annehmen, dass die Verhältnisse hierzulande nicht großartig anders sind.

Alleinstehende Männer tun sich verdammt schwer, durchs Leben zu kommen. Sie neigen einfach dazu, Mist zu machen. Zu viel zu saufen und zu rauchen zum Beispiel und überhaupt schrecklich ungesund zu leben. Und sollten sie sich nicht körperlich fertig machen, finden sie garantiert eine andere Methode. Da braucht man sich nur den Limburger Bischof Tebartz-van Elst anzuschauen. Dass er berufsmäßig Single ist, macht die Sache ja keineswegs besser. Warum wohl hat der arme Mann ein so wahnsinniges Bedürfnis nach eleganten Planschbecken und Adventskränzen, die an der Decke hoch über ihm schimmern wie ein Heiligenschein? Na, weil er sonst nichts hat! Gott ist weit, sein Bett ist leer, und die Gläubigen kann er vergessen.

Hang zum zerstörerischen Risiko

Wer sich mutterseelenallein fühlt, lebt gefährlich. Zum Beispiel auch Boris Becker. Der ehemalige Tennisspieler taucht zwar ständig mit neuen Besenkammerliebschaften auf, in Wahrheit aber bleibt er, seit seine erste Ehe gescheitert ist, der einsame Wolf. Mit dem typischen Hang des männlichen Single zum zerstörerischen Risiko. Symptom: Erst kürzlich hat Becker es zum wiederholten Male gewagt, eine Autobiographie zu veröffentlichen.

Darin erzählt er vom Drama des auf sich selbst zurückgeworfenen Mannes. Denn seine diversen Frauen wollten sich einfach nie für ihn an den Herd stellen. „Die Abende, an denen sie mal etwas gekocht hat, strich ich mir rot im Kalender an“, klagt er über Sandy Meyer-Wölden, eine seiner Ex-Geliebten.

Wie man hier sieht, werden die Folgen von Einsamkeit für Herz und Hirn generell unterschätzt. Wer allein ist und das nicht will, fühlt sich richtig im Stress. Die Konsequenzen für Kreislauf und Immunsystem folgen auf dem Fuß. Alleinstehende Frauen haben damit sehr viel weniger am Hut, deshalb dürfen sie auch länger leben.

Denn Frauen vereinsamen seltener, weil sie sozialer sind. Das haben die Dänen mit ihrer Untersuchung mal wieder bewiesen. Wenn Frauen keinen Liebsten haben, holen sie sich Wärme und Fürsorge in ihrem Freundeskreis. Ihnen fällt es leichter, Kontakte aufzubauen und zu erhalten. Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber die besseren Single. Und wenn mal keine Freundinnen da sind, um über die Einsamkeit hinwegzutrösten, bleibt immer noch der Gang in den Schuhladen.