Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle Sascha Lobo von der Seite angepflaumt. In der FAZ hatte er zuvor einen Artikel veröffentlicht, in dem er seinem Irrtum über die emanzipatorische Kraft des Internets eingestand. Einen Internet-Flüsterer habe ich ihn genannt, was nicht ganz fair war. Ich entschuldige mich förmlich, denn der Fall liegt tiefer. An der sogenannten Netzgemeinde waren schon immer drei Eigenschaften deprimierend: ihre Verachtung für das Handwerk, ihre Blindheit vor der Geschichte und ihre mangelnde Selbstreflexion.

Der Verachtung für das Handwerk liegt wahrscheinlich der Gedanken zugrunde, mit einem guten Algorithmus ließe sich alles für nichts produzieren, ohne dass man etwas von der Materie verstehen müsste. Filme und Musik, Bücher und Bilder sind unter die Räuber gefallen. Wer als Künstler darauf bestand, für seine Arbeit bezahlt zu werden, bekam beim Blick auf das leere Konto entgegnet, er habe noch nicht das richtige Geschäftsmodell entwickelt. Die Idee, dass ein Honorar nicht nur Lohn ist, sondern auch Achtung und Respekt vor einer Leistung ausdrückt, die auf Kenntnis und Wissen beruht, hat sich nicht herumgesprochen. Kein Gedanke wurde auch verschwendet an die Möglichkeit, Politik könne ein richtiger Beruf sein, den man lernen muss, der Geduld und Können verlangt und der sich nicht an Mitbestimmungsprogramme delegieren lässt. Die Folge ist das Versagen des politischen Arms der Netzgemeinde, der Piraten, der ein Aufbruch einer Generation hätte werden können.

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