Nun fürchten sich also alle vor den Schotten. Kein Wunder: Das waren immer schon Sonderlinge. Sie tragen als Männer Röcke, beherbergen Monster in ihren Seen und essen Haggis, eine schwer verdauliche Mixtur, die sich mit Saumagen vergleichen lässt. Aber wäre eine Unabhängigkeit Schottlands wirklich der nächste politische Supergau, der endgültige Anfang vom Zerbröseln Europas? Nicht, wenn man in Kategorien der Zukunft denkt. Wie wird Europa in 30 Jahren aussehen? In jedem langweiligen Papier der EU steht das im Grunde drin: Europa wird das Europa der Regionen!

Glokalisierung nennen Zukunftsforscher diesen Trend. In der globalen Lebenswelt orientieren sich Menschen an zwei Dimensionen: Anker und Horizont. Einerseits brauchen wir Wurzeln, Landschaften, Kulturen, mit denen wir uns identifizieren können. Man mag das Heimat nennen, es wird in einer mobilen Welt aber auch mehr und mehr eine Wahlheimat sein. Gleichzeitig sind wir längst kosmopolitisch. Auch im hintersten Tal hat man Internet. Europa spricht Dialekt und englisch. So kehrt das Regionale zurück, ohne spießig zu sein: Vom Lokal-Food über den Lokalkrimi bis zur Designer-Tracht kann man das an den kulturellen Oberflächen längst spüren. Ökologisches Denken ist nichts anderes als die Verbindung von lokal mit global. Warum können sich in diesem Sinne nicht unabhängige Regional-Staaten auf vielfältige Weise miteinander vernetzen? Warum kann nicht Katalonien Teil eines komplexen Europas werden – und die Spanier mehr zu ihren kastilischen Wurzeln finden? Südtirol macht vor, wie man sich als Region neu erfindet. Lernen wir nicht auch in unseren Liebes-Verhältnissen, das mehr Autonomie zu besserer Beziehung führt?

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