Die Freundlichkeit, mit der gegenwärtig so viele Flüchtlinge empfangen werden, die in Deutschland ein sicheres Leben suchen, verdient allen Respekt. Doch erscheint es mir wichtig, rechtzeitig über Probleme zu sprechen, die sich aus der starken Zuwanderung gewiss ergeben werden. Schließlich gehört zur Willkommenskultur der Einheimischen die Anpassungskultur der Neuankömmlinge.

Es kommt nicht in erster Linie darauf an, dass die Eingesessenen wissen, „wie der Araber tickt“, welche Tabus in dessen Herkunftsgesellschaft gelten, was man aus arabischer Sicht nicht anfassen darf, welche Zeichen und Wörter missverstanden werden können. Beispielsweise entspricht der zustimmend hochgestreckte Daumen anderswo dem Stinkefinger.

Sollen die Einheimischen deshalb auf diese Geste verzichten? Nein. Die Asylsuchenden sollen sich in Maßen akkulturieren, die hiesigen Sitten und Gebräuche kennen und beachten.

Zwingend müssen sie die hiesigen Verfassungsgrundsätze und Gesetze einhalten. Karikaturisten dürfen sich in Deutschland über Mohammed lustig machen; Frauen und Männer sind gleichberechtigt; Selbstjustiz ist verboten und mit hohen Strafen belegt; die Kämpfe und Kriege in ihrer Heimat dürfen Flüchtlinge auf deutschem Boden weder austragen noch von hier aus fördern; wer schwul ist, Schweinefleisch und Schnaps bevorzugt, zu einem anderen Gott oder zu keinem betet, darf weder bespuckt noch verprügelt werden.

Es sind keine Lappalien, wenn fünf muslimische Frauen über eine Nichtmuslimin herfallen, die sich im Bikini in einem Park sonnt oder wenn der Sprecher der Grünen Jugend München von einer Gruppe junger Männer „südländischen Aussehens“ als Schwuler verhöhnt und verletzt wird oder ein Fußballspieler des Berliner Vereins TuS Makkabi von einem nicht gerade germanisch anmutenden Weddinger Gegner als „Scheiß Jude“ beschimpft wird. Man neigt dazu, solche Angriffe und Verhaltensweisen im Einzelfall zu übergehen und in den Medien nicht allzu genau mitzuteilen, doch richten sie sich gegen den Kern unseres verfassungsrechtlichen Selbstverständnisses.

Anders als unser früherer Bundespräsident Wulf halte ich von der romantisierenden Sentenz Der-Islam-gehört-zu-Deutschland wenig. Zum Staat, zur Verfassung und zum Recht sollte meines Erachtens überhaupt keine Religion gehören. Sie ist Privatsache. Diese Meinung teilen längst nicht alle Zuwanderer.

Sie stammen zu einem beachtlichen Teil aus gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen religiöse Gesetze mehr gelten als weltliche. In manchen Gruppen dominieren patriarchale, tribale und voraufklärerische Lebens- und Moralvorstellungen. (Wobei sich die Verhältnisse im Einzelnen und individuell erheblich unterscheiden, etwa zwischen Afghanistan und dem gesellschaftlich deutlich moderneren Syrien.)

Keine Frage, wir können das schaffen. Deutschland kann eine große Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen. Sein Erscheinungsbild wird auf die Dauer bunter werden, dem Frankreichs, Englands und der USA ähnlicher. Dagegen ist nichts zu sagen. Davor braucht niemand Angst zu haben. Aber eines muss mit kompromissloser Härte durchgesetzt werden: Das Grundgesetz steht über dem Koran, der Bibel oder sonstigen Glaubensschriften.