Mittwoch, 24. Juni, Johannistag. Die Spargelernte endet heute. Weil es noch etwa 100 Tage bis zum ersten Frost sind, und diese Zeit braucht der Spargel, um durchzuwachsen und einen grünen Busch zu bilden. Ansonsten ist nichts am 24. Juni. Er ist ziemlich weiß und unverbraucht. Kein Welt-, Gedenk- oder Sonst-was-Tag. Es gibt ja alles Mögliche das ganze Jahr über: Tage des Biers, des Brots, des Schlafs, des Glücks, des Jazz’ und der Mutter Erde. Auch einen Tag der Schlafstörung, und einen des öffentlichen Dienstes.

Was fehlt, ist ein Welttag der Schusseligkeit. Das ist ein echter Mangel, denn die Welt ist voller Schussel, die gut gelaunt Unheil anrichten. Die Engländer haben übrigens ein ähnlich schönes Wort dafür gefunden, dort heißt Schusseligkeit muddleheadedness. Und ihr Anführer ist ein gewisser Mister Bean.

Andererseits ist Schusseligkeit etwas, über das der Schussel nicht gerne spricht, weshalb es nur wenige sich offen bekennende Schussel gibt, die auf einen Ehrentag und mehr öffentliche Beachtung hinarbeiten. Egal. Fall eins ist der Klassiker der Schusseligkeit schlechthin. Er ist kürzlich in Hambühren bei Celle in Niedersachsen passiert, und zwar einem 18-jährigen Mann voll bester Absichten. Die gute Absicht oder das Fehlen einer bösen sind wesentlicher Bestandteil jeder echten Schusseligkeit. Der Schussel will nur Gutes – und, nun ja, dann legt er los. Einem Schussel nach vollendeter Schusseligkeit richtig böse zu sein, ist nicht ganz leicht, weil auf die Schusseligkeit in den meisten Fällen echte Zerknirschtheit folgt.

Den Schussel nicht aus den Augen lassen

Jedenfalls: Der junge Mann wollte sich im Garten nützlich machen. Er flammte Unkraut ab und setzte dabei eine Hecke in Brand, was noch zu verschmerzen gewesen wäre, hätte hinter der Hecke nicht ein Müllhaufen seinen Platz gehabt. Auch der Unrat ging sofort in Flammen auf, weil sich eine Menge Styropor darunter befand. Was noch keine große Sache gewesen wäre, hätte der lodernde Müllhaufen nicht direkt am Haus gelegen, das dann leider auch in Flammen aufging.

34 Feuerwehrleute rückten mit zehn Autos an und löschten das brennende Haus, den Haufen, die Hecke. 50?000 Euro Schaden und in Hambühren Gesprächsstoff bis mindestens Mitte Juli. Sollte es jemals den Weltschusseltag geben und eine Liste berühmter Schussel, in Hambühren wartet ein verdienter Anwärter.

Und in Bremen eine Anwärterin. Eine 53-jährige Mutter bekam eine SMS ihres 16-jährigen Sohnes aus dem Kino, sah aber nicht so genau hin. Sie alarmiert die Polizei, die Polizei lässt das Kino (elf Säle) räumen, findet den Jungen aber nicht. Die Polizisten ließen sich die SMS zeigen. Die Mutter hatte gelesen: „Hol mich bitte sofort ab, werde umgebracht“. Tatsächlich hatte der Junge geschrieben: „Musst mich nicht abholen, werde rumgebracht.“

Kann passieren, muss aber nicht. Dem Schussel aber passiert so etwas immer, sonst wäre er ja kein Schussel. Auch typisch für echte Schussel: Sie entschuldigen sich anschließend wortreich und reuevoll bei der Feuerwehr und den Sondereinsatzkommandos der Polizei, die sie in Bewegung setzten. Außerdem schwören sie hoch und heilig, so etwas nie wieder zu tun. Wenn das passiert, sollte man als Angehöriger verständnisvoll nicken und den Schussel nicht mehr aus den Augen lassen.