Neulich rettete ich mich vor einem heftigen Unwetter in einen Buchladen. Es gibt sie tatsächlich, die ganz normalen Läden, die Bücher verkaufen. Diese Stätten des gedruckten Wortes haben immer schon eine besondere Anziehung auf mich ausgeübt. Entspannt, zufrieden, in einer anderen Welt. Aber Schreck lass nach: Auf einem reich sortierten Tisch mit Sachbüchern werden gleich zwei Publikationen angepriesen, die sich mit mir beschäftigen, mit der „Lügenpresse“ – oder wie wir Journalisten uns kaufen lassen. Gibt’s denn so was? Ja, leider. Schon oft sind mir Einladungen auf den Tisch geflattert, da stand „Informationsveranstaltung“ drauf, war aber Bestechungsversuch drin: schöne Reisen, in schöne Städte, mit schönem Rahmenprogramm samt Gattin. Das wandert bei mir direkt in den Müll.

Die Möglichkeit, eine Woche mit Angela Merkel, damals noch Umweltministerin, nach Indonesien und Malaysia zu fliegen, habe ich dann aber doch wahrgenommen. Immerhin: Mein Verlag übernahm die saftigen Hotelkosten. Flug und Rahmenprogramm allerdings der Steuerzahler. Seit dieser Reise weiß ich, wie frech, witzig und klug diese Frau sein kann, die heute als Kanzlerin all diese Eigenschaften hoffentlich nicht eingebüßt hat.

Ich bin auch mal auf Einladung der norwegischen Regierung auf den Lofoten umhergestapft. Goodwill für den umstrittenen Walfang. Eine große deutsche Autofirma lud nach Kanada ein, um die Brennstoffzellen-Zukunftstechnologie zu präsentieren. War genauso wenig ergiebig, denn – wenn auch mit zehn Jahren Verspätung – jetzt bauen die Zellen offenbar die Japaner. Auf Kosten der Raumfahrtindustrie saß ich auf der legendären Tribüne der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Florida. An meiner kritischen Haltung zum Sinn der bemannten Raumfahrt hat das nichts geändert.

Die aufregendsten Erkenntnisse über das Universum bekommen wir übrigens gerade von Sonden, die den Zwergplaneten Ceres oder den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko erkunden.

Das Medienmagazin Journalist hat zehn Grenzfälle journalistischer Unabhängigkeit untersucht. Das Ergebnis ist kein Ruhmesblatt. Da nutzen Fernseh-Moderatoren ihre Popularität und tingeln durch Einkaufszentren. Werbebeilagen bekannter Blätter werden wie der redaktionelle Teil gestaltet, teilweise geschrieben von Redaktionsmitgliedern.

Begehrt sind auch die mehr als 600 Journalistenpreise, die jährlich verliehen werden. Klar, es gibt auch seriöse Preise, aber die eher ohne allzu üppiges Preisgeld. Viele Redaktionen, auch wir, haben seit Langem einen Verhaltenskodex. Das schützt vor Versuchung. Es gibt öffentlich-rechtliche Sender, deren Mitarbeiter jede Essenseinladung über 30 Euro in ein Kassenbuch eintragen müssen.

Die TU Dortmund hat mit dem „Medien-Doktor Medizin“ ein Monitoringprojekt entwickelt, um gewisse Standards im komplexen Wissenschaftsjournalismus zu definieren. Durchaus zur Übernahme empfohlen. Nur mit einem solchen für alle geltenden Qualitätssiegel hat guter Journalismus eine Chance. Knapp 40 Prozent der Deutschen haben noch Vertrauen in die politische Berichterstattung, hat gerade eine Studie der Zeit ergeben. Das mag auch an der Politik liegen, aber Achtung: „Lügenpresse“ ist ein gefährliches Wort. Nicht nur für uns.