Als ich kürzlich in eine TV-Reportage der peinlichen Art geriet, war meine erste Vermutung: Ich habe mich im Sender geirrt. Es war Samstag, der 13. Juli, gegen 19.30 Uhr. Zur besten Sendezeit also, kein Mitternachtsverschiebesendeplatz. Mein Verdacht fiel auf RTL2 oder vergleichbare Schmuddelplätze aus der Prollfamilie der Kommerzsender. Ich wollte partout nicht glauben, dass ich 3Sat eingeschaltet hatte, meinen Fluchtort vor dem oft breiten Angebot des allzu Banalen. Erst der Blick ins Programmheft ließ den Zweifel zur bitteren Gewissheit werden.

„Mit Bleifuß durch Germany – Touristen ohne Tempolimit“ ätzte schon der Titel dieses Stücks für betuchte Raser aus aller Welt. Die Hauptakteure: Lauter erwachsene Menschen verschiedener Nationen, die sich wie kleine Kinder darüber freuen, dass sie getreu dem ADAC-Motto „Freie Fahrt für freie Bürger“ auf deutschen Straßen mal so richtig unbeschwert durch die Gegend brettern können. Auch die Vertreterin der cleveren Agentur, die diesen PS-Marathon organisiert, kann ihr Glück vor der Kamera kaum fassen. Selbst der Pressetext auf der 3Sat-Internetseite liest sich wie eine Werbeanzeige für eine Firma, die für viel Geld Temposüchtige auf deutsche Autobahnen lockt.

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