Kolumne zur CSU: Weißblaue Selbstsucht I

Unsere bayerischen Landsleute geben sich stets selbstzufrieden. Sie wählen seit ewigen Zeiten CSU und tun gerne so, als müsse an ihrem Wesen die Republik genesen. Das gelingt nach stillschweigender regionaler Übereinkunft am besten dann, wenn möglichst viele Kosten, die das eigene Wohlleben fördern, auf andere abgewälzt werden. Dementsprechend führen sich die Bayernhäuptlinge auf: Die von ihnen ertrotzte Herdprämie, genannt Betreuungsgeld, ist jenen landeseigenen Muttis zugedacht, die ihre kleinen Prachtstücke zu Hause lassen wollen; den Länderfinanzausgleich wollen die Bayern streichen – kommt er doch solchen (Rest-) Familien zugute, deren Ernährerinnen und Ernährer aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt nach Bayern pendeln und dort Steuereinnahmen erzeugen. Selbst den Lastenausgleich zwischen den süddeutschen Krankenkassen und den weniger bemittelten im Norden hintertreiben die CSU-Leute regelmäßig.

Solche Politik sichert ihnen immer wieder schöne landsmannschaftliche Mehrheiten. Um diese weiterhin zu erreichen, verteidigt die bayerische Regierung jede noch so unsinnige Agrarsubvention, boxte vor vier Jahren mit der FDP das Mehrwertsteuergeschenk an Hoteliers durch und beharrt jetzt auf möglichst hohen Abgasgrenzwerten für fette Autos. Weil die CSU-Spitzen wahrhafte Volksvertreter sind, weigern sie sich die einstigen Atomförderer jetzt konstant, auch nur einen jener Castorbehälter in Bayern zwischenzulagern, die aus England und Frankreich zurückgenommen werden müssen.

Bemerkenswert ist das bayerische Kollektivbetragen angesichts der Energiewende. Zwar gibt es auch im Süden Wind, aber nur selten Windkraftanlagen. Man will sich nicht die Landschaft „verschandeln“ – das sollen die sogenannten Nordlichter tun. Diese zahlen zudem Tag für Tag Millionen Euro für maßlos hohe Renditen an jenes Bayern, die ihre großflächigen Eigenheim- und Scheunendächer zu Hunderttausenden mit Solarzellen eingedeckt haben. Die Dummen, denen das Geld für diese mühelosen Extraprofite im Süden per Stromrechnung abgebucht wird, sind generell Mieter und vermögensschwache Hauseigentümer im Osten, speziell aber auch Arbeitslose, Migranten, Hartz-IV-ler im Norden, Osten und Nordwesten.

Als wäre das nicht genug, verspricht Horst Seehofer im Wahlkampf, schon geplante Speicherseen und (15.000) Windkraftanlagen nicht zu bauen und säuselt bigott: „Wir wollen nicht, dass die Umsetzung der Energiewende auf Kosten der Bewahrung der Schöpfung und des Erhalts unserer bayerischen Landschaft geht.“ Seine Wähler wollen keine Windräder im Umkreis von vier Kilometern einer Siedlung (statt 800 Metern). Das bedeutet angesichts der schöpfungsgewollten Zersiedelung Bayerns, dass fast alle Standorte entfallen. Die Berge dürfen zwar mit Skiliften zugenagelt werden, Speicherseen für dringend benötigte Pumpspeicherkraftwerke aber gelten als „Sakrileg“.

Wer die bayerische Selbstsucht bremsen will, sollte sich (auch bei sonstiger Sympathie) überlegen, ob er am 22. September die „Schwesterpartei“ CDU im Bund wählt. Denn diese ist aus Münchner Sicht nichts weiter als das willfährige Werkzeug, mit dem das einzige Prinzip der CSU umgesetzt werden kann: Alle für Bayern, und Bayern für sich.