Wegen eines Unglücks, das die Deutsche Bahn steril als „Personenschaden am Zug“ umschreibt, verbrachte ich neulich eine Nacht auf den Bahnhöfen Stuttgart und Mannheim. Dort geriet ich erstmals in ganze Hundertschaften von Flüchtlingen. Es war lausig kalt. Die zumeist jungen Leute trugen Anoraks, Wollmützen und Handschuhe, auch Stiefel und Rucksäcke deutscher Spender. Aus ihren Gesichtern sprachen weder Zuversicht noch Aggression, sondern Geduld und Gleichmut. Die Wachleute und Polizisten schoben ihren Dienst. Gelegentlich beschäftigten sie sich mit rein arisch-abendländischen Bierleichen. Um halb fünf öffnete der Back-Shop. Vor mir kaufte sich ein Afghane eine bräunliche Wurst, eingebacken in eine fettige Teigmasse. „Pig or cow?“, fragte er treuherzig. Die Verkäuferin nickte und schob ihren Schweinkram über den Tresen. Für Notlagen kennt der Koran großzügige Ausnahmen.

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