Sieht man von gewissen sächsischen Erscheinungen ab, dann fällt in Deutschland angenehm auf, wie sehr nationale Engherzigkeit neuer Weltoffenheit gewichen ist. Wer das nicht glaubt, vergegenwärtige sich ein Plakat, mit dem die NSDAP 1934 für ihre Art von Ausländerpolitik warb. Es zeigt, wie eine 13-köpfige, teils bärtige, generell hakennasige und ärmliche Sippschaft von Osten her in eine schwarz ausgemalte deutsche Landkarte eindringt. Der Text lautet: „Täglich 13 Juden!“ So viele seien von 1910 bis 1925 Tag für Tag nach Deutschland „eingeströmt“. Eine Schreckenszahl!

Täglich 13 Zuwanderer, die andersartige Gebräuche und religiöse Riten pflegten! Gegen diese Bedrohung zähflüssigen Germanenbluts musste nach Ansicht unserer Vorväter eingeschritten werden; und tatsächlich steigerte die schnelle Entrechtung der „Ostjuden“ die Popularität der Regierung Hitler ungemein. Um die „Vernegerung“ der Deutschen zu stoppen, sterilisierte man von 1937 an die „Rheinlandbastarde“ – rund 500 Jungen und Mädchen, deren afrikanische Väter 1923/24 als französische Besatzungssoldaten ins Rheinland gekommen waren und „rassevergessene“ deutsche Frauen geliebt hatten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.