In Dresden gehört nur jeder Fünfte den christlichen Kirchen an, und zweifellos demonstriert die Pegida-Gefolgschaft aus nicht-christlichen Motiven gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ und angeblich „drohende Religionskriege“. Allenfalls fürchtet sie um ihre fette Christstollenseligkeit und will deshalb „Zustände wie im Westen“ der Republik verhindern. Im Klartext: Pegida-Dresdner finden es prima, wenn in der Alt-BRD Millionen Muslime für den Solidaritätszuschlag und den Solidarpakt schuften, doch soll es in Sachsen bei dem winzigen Ausländeranteil von 2,5 Prozent bleiben. Warum dieses Tamtam?

Um die Ego-Dresdner besser zu verstehen, lohnt ein Blick in die Geschichte. Im aufgeklärten Preußen konnte Staatskanzler Hardenberg am 12. März 1812 das Edikt zur Emanzipation der Juden „mit Vergnügen“ bekanntgeben. Es verhalf den altpreußischen Juden zur Staatsbürgerschaft, garantierte ihnen Wirtschaftsfreiheit, Rechtssicherheit, Schutz vor Übergriffen, Willkür und Sondersteuern. In Preußen kamen damals auf 10.000 Einwohner 120 Juden, in Sachsen waren es acht. Insgesamt wohnten dort 1840 rund 800 Juden, zum kleineren Teil in Dresden, zum größeren in Leipzig. Für das früh industrialisierte Chemnitz und das flache Land erhielten sie prinzipiell keine Gewerbeerlaubnis.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.