Vor zwei Wochen wunderte ich mich an dieser Stelle, wie schlecht manch Mitbürger das neue, gute Deutschland verträgt. Ich ahnte nicht, wie schnell unser Willkommenshoch abdriften würde. Dass Deutschland plötzlich brandig riechen würde. Dann kam Post. Meine Kolumne, schrieb Leser Reinhard S., sei „nicht nur dumm. Sie ist grottendumm“. Ich hätte eine große Zahl Andersdenkender beleidigt, insbesondere mit meinen Bemerkungen zu Botho Strauß.

Botho, der Bockssänger, lag auch einem Facebook-Freund am Herzen, der bekannte, dass er „als ein eher linksgestrickter Zeitgenosse bei Strauß intellektuelle Anregungen finde“, die er „anderswo schmerzlich vermisse“. Während ich mich noch fragte, wo ich diesen F-Freund her habe, meldete sich Leser Karl-Heinz R. Der gönnt mir meine Meinung (Danke!), findet aber, meine „gängig-billigen Willkommenskultur-Sprüche“ seien „einfach nur armseelig“ (sic). Was mich an ein Lied aus dem Kirchenchor erinnerte. Irgendwas mit selig, geistig und arm. In mein leises Summen platzte Leser G. B., der mich und ausgewählte Kollegen zu „antideutschem Gesocks“ erklärte. Sein Tenor: Millionen Fremde werden uns überrollen und auslöschen. Der Brief dieses letzten Deutschen ist etwas unheimlich: „Es tut mir nur leid um meine schöne Heimat, das Land meiner Vorfahren seit 1500 – aber um den größten Teil dieser ,Bevölkerung „tut es mir nicht leid. Es muss so schlimm bunt kommen, = Blut und Tränen = dass sie ihren Tod wie eine Erlösung empfinden. Daß ich da mit draufgehe, ist mir egal …“

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