Er ging seinen Gang, hieß es. Er ging seinen Gang bis zu einem Fenster in der Uniklinik in Leipzig. Und dann ging er einen letzten Schritt weiter. Der Schriftsteller Erich Loest hat Selbstmord begangen. Und wir sind bestürzt. In unserem Land versteckt man das, was Loest getan hat und Tausende andere tun, hinter dem Fremdwort Suizid. Klingt sauberer, klingt nicht nach zerschmettertem Schädel, nicht nach Blutbad. Aber was ist das für ein Land, das lebensmüde Menschen zwingt, auf diese brutale Weise Selbstmord zu begehen? Lokführer, die einen Verzweifelten unfreiwillig töten, und Rettungssanitäter, die seine blutig zerfetzten Überreste sehen oder entsorgen müssen, bekommen psychologischen Beistand. Aber die Bilder gehen ihnen nie mehr aus dem Kopf.

Selbstbestimmt und mit Würde in den Tod zu gehen, wachen Geistes und vielleicht sogar heiter, das wäre Euthanasie im wörtlichen Sinne des Wortes. Aber das Wort ist historisch gründlich vergiftet. Die Nazis haben auch das auf dem Gewissen. Sie haben wehrlose Opfer durch Euthanasie nicht erlöst, sondern ermordet. Planmäßig und massenhaft. Bis heute stehen wir unter diesem Schock der Barbarei, zu Recht. Aber es ist Zeit, die Euthanasie endlich zu entdämonisieren.

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