In diesen Wochen wird des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig gedacht. Sie tobte zwischen dem 16. und 19. Oktober 1813. Mehr als 500.000 Soldaten stürmten aufeinander los, mehr als 100.000 fielen oder erlagen wenig später ihren Verwundungen. Diese bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte bildete den Höhepunkt des militärischen Wendejahres 1813.

Wer das von Karl Friedrich Schinkel entworfene, auf dem Berliner Kreuzberg errichtete Denkmal für die von preußischen Truppen 1813 mit erfochtenen Siege näher betrachtet, wird erkennen, dass zu Füßen des gusseisernen Monuments ganze Straßenzüge an jene Schlachten erinnern, die dem Leipziger Gemetzel vorausgegangen waren: so die Möckernstraße, die Großbeeren-, Hagelberger-, Kulmer-, Wartenburg-, Großgörschen-, Dennewitz- oder die Katzbachstraße. Die Schlacht bei Hagelberg ging als Kolbenschlacht in die Geschichte ein; weil das Pulver nass geworden war, erschlugen und erstachen die Kämpfenden einander.

Die Franzosenkriege dauerten im Süden Deutschlands mehr als 20, im Norden fast zehn Jahre, bis sie 1815 bei Waterloo endeten. In jener Zeit fielen von Ägypten über Spanien und den deutschen Ländern bis Russland 3,5 Millionen Soldaten. Wie viele Zivilisten an Epidemien zugrunde gingen, von plündernden und vergewaltigenden Soldaten ermordet wurden, vor Hunger und Kälte umkamen, hat niemand berechnet. Es waren weit mehr als eine Million. So starben in Mainz allein im Winter 1813/1814 rund 18.000 napoleonische Soldaten an Fleckfieber und 2500 Mainzer – ein Zehntel der Stadtbevölkerung.

Wie das so bezeichnete Festungsfieber infolge französischer Einquartierung wütete und den Überlebenden als Schrecken im Gedächtnis haftete, referierte Rudolf Virchow 1868 am Beispiel von Torgau: „In der kleinen Stadt von 5100 Einwohnern waren 8000 Pferde und 35.000 Mann zusammengedrängt; in der Zeit vom 1. September 1813 bis zur Übergabe der Festung am 10. Januar 1814 starben darin 20.435 Menschen, und zwar 19.757 Soldaten und 680 Bürger. Die Gesamtsterblichkeit der Bürgerschaft in der Zeit vom 1. Januar 1813 bis Ende April 1814, demnach binnen 16 Monaten, betrug 1122, also fast ein Viertel. In Danzig erlagen in demselben Jahre zwei Drittteile der französischen Besatzung und der vierte Teil der Bevölkerung an Krankheiten.“ Im Januar 1814 raffte das Fleckfieber den Philosophen Johann Gottlieb Fichte dahin. Johanna, seine Frau, hatte Verwundete gepflegt und sich infiziert. Sie genas, hatte jedoch ihren Mann angesteckt.

Da Deutsche nicht nur gegen Napoleon kämpften, sondern als Zwangsrekrutierte zu Hunderttausenden in der französischen Armee verbluten mussten, war am Ende eine ganze Generation junger Männer tot, das Land lag verwüstet und infolge ungeheurer Kontributionen wirtschaftlich ruiniert darnieder. Napoleon kam nicht bloß als Modernisierer, sondern für die Mehrheit der damals Lebenden als unerbittlicher Fronherr – und, wie seine Kritiker sagten, als Menschenfresser. Darüber am nächsten Dienstag mehr, und zwar aus der kaum je dokumentierten Sicht eines einfachen brandenburgischen Soldaten. Anschließend geht es um die für Deutschland so verhängnisvollen Langzeitwirkungen der Franzosenzeit.