Leonhardt Krause (1780–1853) war der Sohn eines brandenburgischen Häuslers. Als junger Mann musste er 1805 erst als preußischer, dann als französischer Soldat in den Krieg ziehen. Seinen Enkeln hinterließ er den folgenden leicht gekürzten, um Satzzeichen ergänzten Lebensbericht, der hier erstmals veröffentlicht wird und den vielen einfachen Leuten eine Stimme gibt, die nicht im Geschichtsbuch stehen.

„Als ich 18 Jahr alt war, starb meine Mutter, was für uns Kinder auch ein harter Schlag wahr. Es wahren kaum zwei Jahre vergangen, da mußte ich Soldat werden im Jahr 1801. Anno 1805 Marschierten wier zu Felde. Wier Marschierten nach Sachsen und besetzten die Grenze, wo es aber zu keine Schlacht kam. Zum Frühjahr 1806 kamen wier wieder nach Hause, wier wahren kaum drei Wochen zu Hause, da wahren wier wieder eingezogen und Marschierten gegen Schweden und bezogen die Gegend bei Pasewalk herum. Da standen wier 4 Monatte, von da Marschierten wir ab, wohin aber wußten wier nicht, biß wir den Unglücklichen Tag erreichten, wo wier bei Jena mit den Franzosen am 14ten Oktober zusammen kamen. Wier verlohren und die Armee wurde gesprengt, und wier mußten Retterrieren.

Ich mit noch mehreren Tausend Kammeraden gingen nach Erfurt zu, wo aber die Festung den 2ten Tag schon übergeben wurde. Nun wahren wier Französische geworden. Da ging es denn mit mehre Tausend Preusen nach Frankreich. Unser erstwe anhalt war in Nanziy (Nancy). Da standen wier etliche Monatte, dann Marschierten wir von da ab, wohin aber wußten wier nicht. Als wir etliche Monate Marschiert hatten, da wurden wier es gewahr, als uns die Spanier in empfang nahmen, und wier hatten kein anderes Nachtlager als in alte Klöster und Kaffallerieställen. Dan erreichten wir die Festung Ferann (Ferran). Da wahren wier zwei Tage, und nuhn sollte es nach Spanien weiter voran gehen, da legten wier uns alle nieder, da fragte der Kommandant, warum wier nicht Marschieren wollten, da sprachen wier: ja, aber rettur, nicht vorwärts, lieber Sterben wier alle. Dann sagte er, wier sollten aufstehen und dann sind wier wieder nach der Festung zurückgekommen, wo dann unser Nachtlager auf Gottesstarker Festung wahr.

Am anderen Morgen kam der Kommandant und fragte nach: ihr Preussche Hunde, wolt ihr noch nicht vorwärts. Wier antworteten, was uns zukomt. Dan, nach Mittag, kamen wier aber in der Stube zu 20 Mann, wo wier dan Strohsäcke bekamen und auch was warmes zu Essen, zum sattessen war es nicht und zum verhungern zu viel. Wier wahren hier 3 Monate zu Tausend Mann. Dann kamm ich wieder nach Frankreich. Nun kam ich mit 12 hundert Mann nach Tolose (Toulouse). Da standen wier 1 Jahr und 8 Monate bis Anno 1809. Dann wurden wier ausgeliefert und konnten zu Hause gehen. Dann wahr ich noch zwei Jahre zu Hause, dann gab mich mein Vater die Wirtschaft 1811 und ich Heirathete mich meine Frau. Anno 1812 kamen schwere durch Märsche von Franzosen, die nach Rusland Marschierten und künftiges Frühjahr kamen sie wieder zurück. Anno 1828 hier zog ich her mit 5 Kindern, wo von 2 schon gestorben. Ich übergab meinem Sohn die Wirtschaft, um mich in Ruhe zu setzen mit meiner Frau.“

Von den politischen Folgen solcher, von Millionen damaligen Deutschen erlittenen Kriegsschicksale handelt meine nächste Kolumne.