So was nennt man dann wohl einen klassischen Widerspruch: Auf der einen Seite sollen die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen Berlins die Zahl ihrer Wohnungen durch Zukauf und Neubau erhöhen, um mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt zu nehmen – auf der anderen Seite verkaufen sie jedoch weiterhin kräftig Wohnungen.

Rund 1500 Wohnungen veräußerten die Unternehmen allein in den vergangenen zwei Jahren. Für weitere rund 6300 Wohnungen steht ein möglicher Verkauf im Raum. Akzeptabel ist das nicht. Wenn es darum geht, die Zahl der Wohnungen in Landesbesitz zu erhöhen, um den Einfluss des Landes auf dem angespannten Markt zu wahren, wird jede Wohnung benötigt.

Dies wird erst recht vor dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld deutlich. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen weisen die Bebauungsbefürworter darauf hin, dass am Rand des stillgelegten Flughafens vor allem die landeseigenen Wohnungsunternehmen bauen sollen, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Das Argument, dass das Feld deswegen als Bauland benötigt wird, verliert aber an Glaubwürdigkeit, wenn man zugleich andernorts landeseigene Wohnungen verkauft.

Allein die 1500 Wohnungen, die in den vergangenen zwei Jahren aus Landesbesitz verkauft wurden, entsprechen fast genau der Zahl von Wohnungen, die im ersten neuen Stadtquartier am Tempelhofer Damm geplant sind.