Luxemburg bewegt sich doch. Mehr als dem immerwährenden Premier Jean-Claude Juncker lieb sein kann. Erstmals seit der sozial-liberalen Koalition von 1974 bis 1979 ist eine Regierung ohne die Christdemokraten möglich. Erstmals seit 1995 sogar ohne Jean-Claude Juncker. Das Land verliert seinen heimlichen Markenkern.

Das gilt in doppelter Hinsicht. Mit dem starken Abschneiden des jungen Liberalen Xavier Bettel deutet sich der Wunsch nach einem Generationswechsel an. Das Land verliert aber auch an Bindungskraft. Die Krise hat – wenn auch vergleichsweise milde – auch Luxemburg getroffen. Junckers Christdemokraten, eigentlich eine luxemburgische Variante der sozialstaatsorientierten CSU, stellt zwar die stärkste Fraktion. Sie hat aber kräftig Stimmen verloren.

Das mag an den angekündigten Steuererhöhungen liegen, aber auch daran, dass die Wähler den Christdemokraten nicht zutrauen, den Sozialstaat zu bewahren. Die Sozialdemokraten konnten nicht zulegen. Sie hatten die große Koalition mit Juncker nach einer Geheimdienstaffäre platzen lassen. Aber Königsmord wird in der Politik selten belohnt. In der Mitte wird’s also blass.

Die Liberalen konnten mit einer strammen Reformagenda kräftig zulegen, auch die Linkspartei konnte hinzugewinnen und knapp fünf Prozent erzielen. Polarisierungen nehmen zu, die Mitte schwindet. Das Luxemburger Modell zeigt feine Risse.