Europa streitet mal wieder ums liebe Geld. Vorerst sind die Beratungen um den EU-Etat von rund 140 Milliarden Euro für 2015 gescheitert. Zuletzt ging es in dem Streit um ganze sechs Milliarden Euro. Das Europäische Parlament fordert mehr Geld, Mitgliedsstaaten wie Deutschland und Großbritannien dämpfen kräftig. Offiziell unter Verweis auf die überall gepredigte Sparpolitik. Aber die Staaten fürchten auch zu viel Brüsseler Eigenleben und damit auch Brüsseler Eigendynamik.

Es ist nicht ganz so dramatisch wie in den USA. Europa kennt keine Schuldenobergrenze. Auch bleibt noch Zeit, um bis zum Jahresende einen Kompromiss zu erzielen. Ja, selbst wenn der nicht gefunden wird, fließt noch Geld. Aber nur eine bescheidene Summe. Europa mogelt sich dann mit einem Nothaushalt durch, Monat für Monat wird ein Zwölftel des Vorjahresetats ausbezahlt.

Warum also so viel Aufregung? Weil Regionen, Städte und Gemeinden mit den Fördergeldern der EU – etwa für ländliche Regionen oder den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit – langfristig planen und langfristig mit diesen Mitteln rechnen müssen. Niemand wird mit einem Nothaushalt Projekte ausschreiben oder gar neue Jobs schaffen. Das Pokerspiel um den Etat 2015 führt also zu Verunsicherung in Europa. Die EU fährt auf Sicht. Das kann sich Europa in der Krise wirklich nicht leisten.