Die Begrifflichkeit lässt aufhorchen. Vor einer Woche schon sprach SPD-Chef Sigmar Gabriel vom Völkermord im Nordirak. Nun warnt seine Generalsekretärin Yasmin Fahimi vor „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durch die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Das sind einerseits zutreffende Beschreibungen der Gräueltaten der barbarischen Gotteskrieger, die Andersgläubige vergewaltigen, versklaven oder massakrieren. Andererseits beinhaltet die dramatische Wortwahl unausgesprochen die moralische Verpflichtung und Legitimation zur Gegenwehr – deutsche Waffenlieferungen zumindest nicht ausgeschlossen.

Mit Urlaub nicht zu erklären

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie wenig Kritik in der SPD am Aufweichen der strikten Ablehnung von Rüstungsexporten in Spannungsgebieten laut wird. Immerhin müssen die Genossen um ihren Ruf als Friedenspartei fürchten. Auch wird ihr Einsatz für strengere Waffenexporte konterkariert. Mit der Urlaubszeit ist die Zurückhaltung kaum zu erklären. Eher schon mit dem Vertrauen, das Außenminister Frank-Walter Steinmeier genießt. Während sich seine Kollegin Ursula von der Leyen in markiger Pose inszeniert und vom Boulevard zur „Top-Gun-Ursula“ stilisiert wird, ringt Steinmeier bis zur Erschöpfung um einen Ausweg. Seine Entscheidung wird am Ende trotzdem auf Widerspruch stoßen. Aber Leichtfertigkeit kann man dem Spitzendiplomaten sicher nicht vorwerfen.