Natürlich ist auch in Westdeutschland gedopt worden. Das steht außer Zweifel. Zahlreiche Todesfälle, die mehr oder weniger auf den Missbrauch von Medikamenten durch Hochleistungsathleten, wie der der früheren Siebenkämpferin Birgit Dressel, zurückzuführen sind, belegen das.

Der Vorwurf, der nach drei Jahren Forschung zum Thema nun im Raum steht, lautet, es habe ein ähnliches Staatsdoping gegeben wie in der DDR. Der zurückgehaltene Abschlussbericht zum vom Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp) organisierten Projekt „Doping in Deutschland“ soll Hinweise darauf liefern.

Da die Wissenschaftler über ihre Untersuchungen in mehreren Phasen Bericht erstattet haben, ist auch ohne die Publikation aller 800 Seiten der Tenor ihrer Erkenntnisse längst bekannt: Es hat durchaus eine großangelegte Forschung zur verbotenen Leistungssteigerung im Westen gegeben, auch mit dem Ziel die Ergebnisse zur Medaillenförderung einzusetzen. Und es hat auch, ausgerechnet über das BISp selbst, eine staatliche Förderung der Forschung gegeben. Das erklärt den peinlichen Umgang mit den Ergebnissen, der nun im Wahlkampf gern thematisiert wird.

Gleichwohl erlaubt die derzeitige Quellenlage keinen Vergleich mit dem Doping der DDR nach Staatsplan, in den auch Minderjährige ohne Skrupel und vor allem ohne ihr Wissen einbezogen wurden − so dass eine strafrechtliche Würdigung folgen musste.