Wenn es ernst wird, ist die Sprache der Diplomatie meist sehr einsilbig. Und so dürfte die Einbestellung der ägyptischen Botschafter durch die Regierungen Frankreichs und Deutschlands kaum mehr sein als der hilflose Versuch, gegen die dramatische Eskalation der Gewalt die Stimme der Vernunft zu erheben.

Die Muslimbrüder haben den offenen Machtkampf gesucht, und die ägyptischen Generäle haben ihn auf genau jenem Feld angenommen, auf dem sie definitiv die Stärkeren sind. Nun zählt man die Verletzten und Toten. Es dürfte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass es sich bei der Absetzung des gewählten Präsidenten Mursi um einen Putsch gehandelt hat. Ernüchtert sind inzwischen auch jene, die die Intervention der Militärs als Ultima Ratio begrüßt haben.

Die an das Eingreifen der Armee geknüpfte Hoffnung bezog sich darauf, dass die ägyptische Gesellschaft die Chance zu einer freien Entfaltung ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Ressourcen erhält, die die Muslimbrüder massiv einzuschränken versuchten. Nun scheint eine rasche Rückkehr zu geordneten politischen Verhältnissen in weite Ferne gerückt.

Die Militärregierung hat sich als unwillig und wohl auch als unfähig erwiesen, die ganze Breite der politischen Klaviatur zu bespielen. Die internationale Gemeinschaft muss ihr nun eindeutig vermitteln, dass es keine Rückkehr zur vermeintlich stabilen Militärdiktatur der Mubarak-Jahre geben kann.