Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist es zumeist wie nach dem Abpfiff eines Fußballspiels: Ob es gefallen oder nicht gefallen hat, so oder so ist die Sache gelaufen. Nach dem Urteil über den Euro-Rettungsschirm aber liegen die Dinge anders.

Ob es gefällt oder nicht gefällt, jedenfalls war es bereits entschieden, nachdem das Bundesverfassungsgericht im September 2012 eine einstweilige Anordnung gegen den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM) abgelehnt und den Rettungsschirm mit ein paar Korrekturen gebilligt hatte. Das Gericht hatte damals – anders als in Verfahren zum einstweiligen Rechtsschutz üblich – bereits derart präzise geprüft, dass klar war, in der Hauptsache würde es nicht anders entscheiden.

Und noch etwas ist anders als sonst: Der juristische Streit um die Euro-Rettungsmaßnahmen ist nach dem Urteil keineswegs gelaufen. Ausgetragen wird er zwischen dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg.

Karlsruhe hat dem EuGH die Frage vorgelegt, ob die Europäische Zentralbank – wie das deutsche Gericht vermutet – ihre Kompetenzen überschreitet. Wie sich die Karlsruher Richter verhalten, wenn die Luxemburger Kollegen ihren Erwartungen nicht entsprechen – ob sie sich unterwerfen oder die Antwort des EuGH ignorieren – dürfte weitreichende Folgen haben, für die EZB, aber auch für das Ansehen des Bundesverfassungsgerichts.