Spinnen die bei Google? Schon zwei Jahre nach dem Kauf von Motorola veräußern sie den Handyhersteller und verbrennen damit mehrere Milliarden Dollar. Doch Google hatte wohl keine andere Wahl. Dem Internetkonzern geht es um eins: Kontrolle der Betriebssysteme für Smartphones. Nur wenn Google hier steuern kann, ist auch sichergestellt, dass die Apps des Konzerns auf Smartphones problemlos laufen und dass viele Nutzer sie aufrufen.

Und mit Aufmerksamkeit, die sich in Werbeeinnahmen ummünzen lässt, verdient der Konzern sein Geld. Deshalb übernahm Google beim offenen Smartphone-Betriebssystem Android die Federführung und kaufte sich mit Motorola einen eigenen Handybauer. Das sollte disziplinierend wirken, ging aber gründlich schief, weil Google es nicht verstand, das Potenzial von Motorola zu entwickeln.

Der Verkauf des Handybauers an Lenovo ist nun ein erneuter Kontrollversuch: Lenovo übernimmt mit Motorola viel Know-how, soll gewissermaßen an der langen Leine von Google bleiben. Zugleich will der US-Konzern enger mit Marktführer Samsung kooperieren. Hat Google bald alles unter Kontrolle? Zum Glück nicht. Zum Glück gibt es Newcomer wie die chinesische Firma Xiaomi, deren Betriebssysteme ein quirliges Eigenleben entwickelt haben. Davon brauchen wir mehr. Aus Europa ist da allerdings nichts zu erwarten. Wir müssen auf mutige Unternehmer aus Asien hoffen.