Der Bayerische Landtag stand nie im Guinness-Buch der Rekorde. Das ist Unrecht. Denn bis vor kurzem war das Hohe Haus der größte demokratische Familienbetrieb der Welt. Mindestens 79 Abgeordnete ließen dort ihre Lebenspartner, Halbbrüder, Dreiviertelschwestern, Schwiegertanten und Urgroßneffen für sich arbeiten und mit Steuergeldern bezahlen. Die Parlamentsmitarbeiter fühlten sich daher im Dienst wie zu Hause. Es war normal, wenn die Sekretärin (Mutter) ihren Chef in Gegenwart von dessen wissenschaftlicher Assistentin (Ehefrau) befragte, ob er denn „in diesem Monat schon die Unterwäsche gewechselt“ habe.

Versippt oder verschwippt

Bewiesen ist damit, wie ernst die CSU den traditionellen Wert der Familie und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich nimmt. Unklar bleibt, ob auch die Parlamentarier selbst allesamt miteinander versippt oder verschwippt sind beziehungsweise von König Ludwig II. abstammen und schon als Kinder durch Neuschwanstein tobten.

Wer hier über „Vetternwirtschaft“ lästert, lässt außer Acht, dass es zur bayerischen Blutsbande womöglich kaum Alternativen gibt: Gerüchten zufolge handelt es sich bei zwei von drei Freistaatsbewohnern unter 40 Jahren um uneheliche Kinder von Horst Seehofer.

Die Staatskanzlei hält dies für eine „leichte Überschätzung unseres verehrten Herrn Ministerpräsidenten“: Ein weiterer Stammvater könne auch Franz Beckenbauer sein.