Am Wochenende starben 30 Flüchtlinge aus Nordafrika vor der Küste Siziliens bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Sie erstickten qualvoll in dem überfüllten Fischkutter, der mehr als 600 Menschen an Bord hatte. Nachrichten über solche Flüchtlingsdramen kommen inzwischen im Wochentakt; wir registrieren sie, sie regen uns nicht mehr auf. Doch sie sollten uns aufregen. Bundespräsident Joachim Gauck hat recht, wenn er fordert, dass niemand in Europa sich daran gewöhnen sollte, dass jeden Tag Menschen den Tod finden, weil sie die Flucht über das Meer nach Europa gewagt haben. Er könne sich nicht daran gewöhnen, sagte Gauck in seiner bemerkenswerten Rede zur Flüchtlingspolitik.

Und er scheute nicht den Konflikt mit der Bundesregierung, die Kritik gerne mit Statistiken zurückweist, nach denen kein europäisches Land so viele Flüchtlinge aufnimmt wie Deutschland. „Wir tun viel. Aber nicht so viel, wie es uns selbst manchmal scheint“, sagte Gauck und erinnerte daran, dass gemessen an der Bevölkerungszahl Deutschland auf Platz neun hinter Schweden oder Österreich liegt.

Gauck redete keiner naiven Forderung nach einer Öffnung der Grenzen das Wort. Er weiß, dass es keine Patentlösung gibt und wir nie allen Verfolgten Zuflucht gewähren können. Aber wie sagte er? Wir könnten mehr und manches besser tun. Zur Selbstgerechtigkeit jedenfalls haben wir keinen Grund.