Na gut, es hat niemand nach Syrien gefragt, die NSA-Affäre hat ebenso wenig eine Rolle gespielt wie die Bildungspolitik – und doch war auch die zweite Runde in der Wahlarena der ARD ein heller Lichtblick im öden Einerlei der politischen Talkshows.

Hier haben die Fernsehleute ein Format für die Debatte zwischen Politikern und Wählern gefunden, das wirklich funktioniert. Dank der sorgfältig (repräsentativ!) ausgewählten Teilnehmer, die mit meist klugen, gut vorbereiteten Fragen und Nachfragen aufwarteten, ließ sich aus den Auftritten von Angela Merkel und Peer Steinbrück einiger Gewinn ziehen. Das gilt sowohl für ihre Antworten als auch für die Möglichkeit, die beiden Kontrahenten über eine Stunde lang ungestört dabei beobachten zu können, wie sie mit der Situation umgingen, immerhin live vor einem Millionenpublikum.

Dabei zeigten sich eindrucksvoll die unterschiedlichen Charakterzüge: Die einschmeichelnde, aber gern im Ungefähren bleibende Kanzlerin. Und der nicht immer charmante, aber stets klar Position beziehende Herausforderer. Die beiden Sendungen haben unvergleichlich mehr Aufschluss über Ansichten und Haltung der beiden Kandidaten gebracht als das völlig überschätzte Fernsehduell. Die ARD sollte die eine oder andere ihrer vielen plappernden Talkshows aufgeben – zugunsten regelmäßiger Begegnungen von Spitzenpolitikern mit Bürgern in der Fernseharena.