Es werde nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der SPD in Hamburg keinen grünen Umbau geben, hat Olaf Scholz immer wieder betont, sondern nur einen Anbau. Ein Blick auf den Zuschnitt seines künftigen Senats zeigt, der Anbau ist rot. Die Grünen bekommen zwar ihr Stammressort Umwelt, aber es wird um den Bereich Stadtentwicklung amputiert. Weil die SPD diesen wichtigen Bereich behalten will, wird er zusammen mit der Zuständigkeit fürs Wohnen einem neuen Posten zugeschrieben. Und damit nicht mehr Senatoren seiner Partei ihren Job verlieren als koalitionsbedingt nötig, gibt eben einen sozialdemokratischen Anbau: Elf statt zehn Senatoren. Was für ein Signal der Sparsamkeit! Oder wird Olaf Scholz die Vergrößerung durch gemeinsamen Gehaltsverzicht publikumswirksam gegenfinanzieren lassen?

Zur Bildung ihrer neunten gemeinsamen Landesregierung haben sich SPD und Grüne mehr Zeit gelassen als geplant. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Besser frühzeitig absehbare Konflikte ansprechen als hinterher überrascht sein. Nach dem ersten Eindruck entspricht die politische Gewichtsverteilung in etwa dem Wahlergebnis: 43:12. Die SPD bekommt ihre Elbvertiefung, wenn sie juristisch okay ist. Die Grünen setzen mehr Geld für Fahrradwege durch. Und über Olympia an der Elbe entscheiden die Bürger. Das sieht alles ziemlich solide nach Olaf Scholz aus. Und die Grünen stören nicht weiter. Oder?