Es scheint ein entspannter Pfingstausflug für Angela Merkel gewesen zu sein. Ruderbootfahren mit drei Kumpels, zufälligerweise Regierungschefs. Pressekonferenz in der Sonne, nicht in Badeklamotten zwar, aber immerhin ohne Krawatte. Gute Freunde also, die da zusammentrafen. Zumindest sollte das so wirken. Nach außen. Aber auch – und das mag vielleicht noch bedeutender sein – nach innen.

Denn bis Ende Juni muss ein gar nicht so kleines Kunststück gelingen: Die Staats- und Regierungschefs müssen sich darauf einigen, wer nächster EU-Kommissionspräsident werden soll. Und diese Person muss dann noch dem Europäischen Parlament gefallen. Weil sich dabei schon einige festgelegt haben – das Parlament auf Jean-Claude Juncker, mehrere Regierungschefs auf Bloß-Nicht-Juncker – sieht die Sache ziemlich schwierig aus. Und auch ein Rückzug Junckers würde nur wenig vereinfachen.

Angela Merkel ist die Person ziemlich egal, solange dabei nicht der SPD-Mann Martin Schulz ins Spiel kommt. Ihr erstes Ziel ist, das Juncker-kritische Großbritannien in der EU zu halten. Also gibt es für den britischen Premier David Cameron etwas krawattenlose Wohlfühl-Atmosphäre. Aus dem gemütlichen Wattepack allerdings ragte spitz die Aufforderung heraus, sich doch bitte zu benehmen. Kompromisse zuzulassen, statt Drohungen auszustoßen. Ein ganz so entspannter Ausflug war es vermutlich also doch nicht.