Die Kanzlerin will sich Zeit lassen, die Regierungsbildung kann dauern. Während die Politik also dabei ist, vom Wahl- auf den Sondierungsmodus umzuschalten, haben sich die angeschlossenen Interessenvertreter daran gemacht, ihre Anliegen entsprechend neu zu justieren.

Aus Kulturkreisen ertönt der Ruf nach einem Kulturministerium, und wer sich ökologisches Engagement auf die Fahnen geschrieben hat, hält auch ein eigenes Energieministerium für geboten. Die NSA-Affäre wiederum hat das Bedürfnis nach einem Informationsministerium geweckt, das der Politik den Eintritt ins digitale Zeitalter ebnen soll.

Ganz in diesem Sinne haben nun 60 Wissenschaftler verschiedener Disziplinen einen Aufruf für ein Integrationsministerium unterzeichnet. Gründe für einen neuen Zuschnitt der Zuständigkeiten gibt es zuhauf. Das Thema Integration ressortiert sowohl im Arbeits-, Innen- und Außenministerium, mit zum Teil widersprüchlichen Botschaften.

Insbesondere Bundesinnenminister Friedrich hatte zuletzt wiederholt den Eindruck erweckt, Integrationsfragen ausschließlich unter Aspekten von Sicherheitspolitik und Gefahrenabwehr zu betrachten.

Eine ausgeprägte Willkommenskultur sieht jedenfalls anders aus. Nach welchem Entwurf auch immer das neue Regierungshaus gebaut wird: Ganz oben auf der Agenda sollte eine offene Integrationspolitik stehen, die frei ist von Verdacht und Unterstellung.