Mit Stresstests für die Banken hat Europa bisher keine gute Erfahrung gemacht. Weil die Aufsicht die Kriterien zu lasch ansetzte, brachte die Prüfung nicht das erhoffte Ergebnis: Vertrauen. Diesmal wollen es die Kontrolleure besser machen. Niemand soll daran zweifeln, dass sie in aller Härte die großen Institute einem echten Stresstest unterziehen. Sie simulieren eine echte Krise mit Konjunktureinbruch und einem schweren Verfall von Aktienkursen und Immobilienpreisen. Nur wenn eine Bank aus eigener Kraft diese Turbulenzen verkraftet, besteht sie den Test.

Problem sind die Kapitallücken

Der wenig stabile Zustand der Branche spricht dafür, dass diesmal große Finanzkonzerne durchfallen, wohl auch in Deutschland. Das ist kein Beinbruch, im Gegenteil. Nur so macht der Stresstest Sinn. Die Europäische Zentralbank wird schon deswegen keine Nachsicht üben, weil sie die Aufsicht über die Großbanken der Eurozone übernimmt.

Faule Eier im Korb kann sie sich nicht leisten. Schließlich kann sie sich nicht damit herausreden, sie hätte nichts von möglichen Schieflagen gewusst. Das Problem sind nicht Kapitallücken bei einzelnen Banken. Ernst wird es, wenn die Institute und die Politik unzulänglich darauf reagieren. Sie müssen sehr schnell klarmachen, wie sie die wackligen Geldhäuser stabilisieren wollen. Ob das in jedem einzelnen Fall am 26. Oktober und in den Tagen danach gelingt, wird die spannende Frage sein.