Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs fordert die Türkei eine Puffer- und Flugverbotszone an ihrer 911 Kilometer langen Grenze mit Syrien. Damit will sie verhindern, dass die Kämpfe sich ins eigene Land verlagern. Zudem könnten in der Pufferzone Flüchtlingslager errichtet werden. Jetzt treffen Mörsergranaten türkische Bürger, und der Flüchtlingsstrom ist nicht mehr zu überschauen. In dieser Not präsentiert Ankara den alten Vorschlag in neuer Form. Wollte die Türkei sich bislang nicht am militärischen Kampf gegen den IS beteiligen, so gebärdet sich der türkische Präsident Erdogan plötzlich als Speerspitze einer internationalen Intervention am Boden.

Der beste Puffer der Region

Der Sinneswandel hat auch mit dem Druck zu tun, den die Obama-Koalition auf die Türkei ausübt, vor allem aber mit dem türkischen Kurdenproblem. Mit einer Pufferzone in Kobani und anderen Kurdenenklaven kann die Türkei verhindern, dass die PKK-nahen Kurden in Syrien ein säkulares Gesellschaftsmodell durchsetzen, das auf die türkischen Kurden ausstrahlen würde. Seit Tagen hindert das türkische Militär Kurden aus der Türkei daran, nach Kobani zu gehen, um dort gegen den IS zu kämpfen. Dabei streitet keine andere Kraft so effektiv gegen den IS. Die Kurden sind gewissermaßen der beste Puffer in der Region. Europa und die Nato sollten hier genau hinschauen, bevor sie sich in ein Abenteuer mit unüberschaubarem Ausgang hineinziehen lassen.