Mit diesem Ergebnis hatte niemand gerechnet – und doch erscheint es folgerichtig. Die Ohrfeige der Wähler für Amtsinhaber Bronisław Komorowski ist auch seinem einseitigen Wahlkampf unter dem Motto „Russland und seine Bedrohung“ geschuldet. Hinter gut einem Drittel der Stimmen für den Nationalkonservativen Andrzej Duda steht die seit einer Dekade stabile Stammwählerschaft der Kaczynski-Partei PiS. Und die 20 Prozent für den patriotisch-polarisierenden Rocksänger Paweł Kukiz sind das Votum der Jungen, der Unzufriedenen, des polnischen Prekariats.

Kukiz hat ihren teils richtigen Fragen eine Projektionsfläche bieten können – Fragen nach Arbeitslosigkeit, sozialer Unsicherheit und einem starren Parteiensystem mit zwei Gruppierungen, die sich über Zweitrangiges definieren. Antworten indes wird Kukiz nicht liefern können. Denn es sind nicht Fragen an einen Populisten, sondern an die Linke, die bislang in Polen nur als Phantom existiert.

Und doch sind es die Kukiz-Wähler, deren Votum nicht nur über den neuen polnischen Präsidenten entscheiden könnte. Auch der Ausgang der Parlamentswahlen im Herbst dürfte davon abhängen, ob der Politneuling seine Wähler an sich binden kann. Wenn ja, könnten die Tage der liberal-konservativen Regierung Ewa Kopaczs gezählt sein – und die der Kaczynski-Partei PiS wieder beginnen.