Nicht jedermann wird bemerkt haben, dass der Bundestagswahlkampf schon begonnen hat. Das ist aber erstens daran zu erkennen, dass an etlichen Laternen Plakate mit freundlich lächelnden Gesichtern hängen und Sprüchen von sprühender Originalität („Das Wir entscheidet“ (SPD) – „Gemeinsam erfolgreich“ (CDU)). Zweitens ist der Beginn des diesjährigen Bundestagswahlkampfs daran zu erkennen, dass Politiker jeder Couleur jeden Tag versichern, dass der diesjährige Bundestagswahlkampf schon begonnen habe.

Es soll Bürger geben – robuste Optimisten – , die von einem Wahlkampf mehr verlangen, die nach Konzepten rufen, nach Programmen und vor allem nach dem einen oder anderen Anhaltspunkt, um die Konzepte und Programme der Parteien zu unterscheiden. Um einen solchen Bürger handelt es sich beim ersten Bürger dieser Republik, dem Bundespräsidenten, der offenbar Klarheit und Unterscheidbarkeit der Positionen der Parteien vermisst: „Wer heute auf Klarheit verzichtet, schafft Nichtwähler von morgen.“

Es ist gut, dass Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, diese Kritik sofort unmissverständlich zurückgewiesen und daran erinnert hat, dass es da und dort sehr wohl Unterschiede gebe, beispielsweise in der Sicherheitspolitik. Richtig, die CDU will Kriminalität und Terror bekämpfen, die SPD Terror und Kriminalität. Wie hat das Joachim Gauck nur übersehen können.