Im Bundestag müssen Union und SPD kaum mit nennenswertem Widerstand rechnen, sollten sie, wie erwartet, ihre große Koalition zustande bringen. Dafür meldet sich umso lautstärker schon jetzt eine außerparlamentarische Opposition zu Wort. Sie demonstriert allerdings nicht auf den Straßen. Denn Eliten, Experten aus Verbänden, Professoren im Sachverständigenrat und Behörden wie der Bundesrechnungshof bilden diese neue APO. So schließt sich der Rechnungshof nun mit seinem Jahresgutachten der geballten Kritik der Fachwelt an – zurückhaltend in der Wortwahl, aber klar und deutlich in der Sache.

Union und SPD wären gut beraten, diese massiven Bedenken aus allen Richtungen ernst zu nehmen. Vor allem die unsinnigen und unmotivierten Rentenpläne tragen die Arroganz und Ignoranz eines Bündnisses, das glaubt, es könne ohne Sinn und Verstand durchregieren.

Falls Union und SPD so weitermachen, wie sie angefangen haben, wird der nächste Finanzminister der ärmste Tropf im Lande sein. Aber auch Kanzlerin Angela Merkel wird Schwierigkeiten haben, in Europa Sparsamkeit zu predigen, wenn sie zu Hause Verschwendung praktiziert und machtversessen die Erfolge beim Defizitabbau gefährdet. Der Bundesrechnungshof äußert sich im gemäßigten Ton einer Verwaltung. Umso mehr Gewicht haben die inhaltlichen Bedenken. Das kann auch eine Regierung mit Dreiviertel-Mehrheit auf Dauer nicht ignorieren.