Noch hat er seine Kandidatur nicht offiziell angekündigt, aber es scheint klar: Abdelfattah al-Sisi wird Ägyptens nächster Präsident. Viele Menschen am Nil sehnen sich nach einem starken Mann, der dem Land wieder eine Richtung geben soll. Zwar wachsen bei den gebildeteren Schichten die Zweifel, ob al-Sisi für diese Aufgabe geeignet ist, aber da es keine ernst zu nehmende Alternativen gibt, werden sie ihn am Ende wohl unterstützen.

Auf den nächsten Präsidenten Ägyptens warten Mammutaufgaben. Die Wirtschaft muss saniert, der Lebensstandard verbessert und der Terror bekämpft werden. Hier liegt die große Gefahr dieser Präsidentschaft: Was passiert, wenn al-Sisi scheitert und in sechs Monaten die Not nicht gelindert ist und die Demonstranten wieder auf die Straßen gehen? Was wird dann die Armee tun? Wird sie al-Sisi fallen lassen und sich wie im Februar 2011 und im Juni 2013 auf die Seite der Demonstranten stellen? Oder wird sie ihren Kandidaten stützen und damit eine gefährliche Konfrontation herbeiführen? Das lässt sich heute noch nicht sagen. Klar ist jedoch, dass es jetzt zu spät ist, sich darüber zu grämen, dass in Ägypten wieder ein General in den Präsidentenpalast einzieht. Schuld daran ist auch die liberale Opposition, der es nicht gelungen ist, einen alternativen Kandidaten aufzubauen, der eine Chance hat, gewählt zu werden und seine Sache besser zu machen als al-Sisi.